08|05|2010
Muskelschmalz und Schmalzbrot
Zugegeben, alle fünf Talsperren waren nicht das Ziel der dritten Regionale 2010-Radtour im Rahmen der „Rheinischen Welt-Ausstellung“. Die Tour ging diesmal nur durch einen Teil des Projektgebiets des Wasserquintetts. Aber dennoch waren entlang der Brucher- und der Lingese-Talsperre alle Möglichkeiten moderner Gangschaltungen und Radbremsen gefragt.
Die Tour führte zu interessanten Stationen im Bergischen Land, die kurze Streifzüge durch die Geschichte und Gegenwart rund um Marienheide ermöglichten. Einblicke in die wichtigen klerikalen Aspekte bergischen Lebens vermittelten die Besichtigung der 1417 erbauten Wallfahrtskirche St. Maria Heimsuchung und stellvertretend, für alle ihrer Art, die „Bonte Kerke“ in Müllenbach. Diese, im frühen Mittelalter erbauten kleinen Kirchen zeichnen sich durch Wand- und Deckenmalereien mit Motiven aus der Bibel aus – äußerst praktisch in einer Zeit, in der meist nur Adel und Klerus des Lesens mächtig waren. Nur ein kleines Beispiel bergischen Pragmatismus.
Harry Boeseke, bergischer Autor, der die Radler anschließend im „Haus der Geschichten“ begrüßte, konnte hier noch einiges nachlegen. Unter dem Eindruck einer durch Ausstellungsstücke untermauerten Reise rückwärts durch bergisches Alltagsleben im Hause selbst, erläuterte Boeseke in bekannt begeisternder Art die Umstände bergischen Lebens seit der frühesten Besiedlung bis in die jüngere Vergangenheit. Was heute kaum jemand weiß und selbst Einheimische kaum ahnen – das Bergische Land war in der Vergangenheit Kreuzungspunkt wichtiger transeuropäischer Handelsstraßen. Hansestädte wie Wipperfürth waren hier wie an einer Perlenkette aufgereiht; Grauwacke und Erze trugen zusätzlich zu einem Bedeutungsüberschuss bei, der seinen Einfluss weit über die Grenzen des Raumes trug. Bei Schmalzbrot, Kaffee und Kuchen hätten die Tourenfahrer noch Stunden dem Autor lauschen können, hätte nicht die Besichtigung der inneren Strukturen der Lingese-Staumauer angestanden, um noch einen Einblick in die landschaftsprägenden Talsperren im Bergischen zu bekommen. Damit diese in Zukunft noch besser vermittelt und auch touristisch erschlossen werden können, wird in Kürze eine alte Bahntrasse als Radweg im Rahmen des Regionale 2010-Projektes „Wasserquintett“ alle fünf Talsperren des Wupperverbandes in diesem Raum zwischen Bergisch Born und Marienheide steigungsarm verbinden – und dann schafft man am Tag auch deutlich mehr als nur zwei Talsperren.
Weitere Informationen zum Wasserquintett:
Regionale 2010-Projekt Wasserquintett
und unter der Projekt-Homepage: www.wasserquintett.de
Die zweite Tour ins Wasserquintett findet im Frühjahr 2011 statt.
Alle Touren unter: www.rheinische-welt-ausstellung.de
„Kennst Du Deine Region“
Der ADFC-Leverkusen bzw. der Bürgerverein (Förderverein), dessen Gründung am Freitag, 14. Mai 2010, erfolgt, setzt sich für die Realisierung des Balkantrassenradweges auf Leverkusener Gebiet ein. Damit wird die Fortführung des Bahntrassenradweges von Bergisch-Born bis Leverkusen erreicht.
Bilder: Viviane Stölting, Markus Utzerath