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Der Bankier und die „ärm Familich“ –

Abraham Schaaffhausen und Schloss Morsbroich

„Jesses, Maria und Josef! Do hierode mer ävver in en ärm Famillich eren.“ Nur ungern versehen wir diesen Stoßseufzer mit dem Beiwort angeblich. Wie geschmeidig fügt sich das eingängige Bild in die Mundart, wie genau trifft die Anrufung der Heiligen Familie einen Wendepunkt rheinischer Geschichte!

 

Der starke Spruch wird Abraham Schaaffhausen (22.06.1756-1824) zugeschrieben. Er tat ihn, als er 1815 vom Anfall des Rheinlands an Preußen  erfuhr.

 

Wenn dieser Schaaffhausen als Bankier bezeichnet wird, dann mehr der Einfachheit halber. Er verdiente gutes Geld mit seinem 1790 gegründeten Handelshaus, dessen Unternehmensbeziehungen in der Tat sehr weit gespannt waren. Kreditgeschäfte ergaben sich da sozusagen naturwüchsig. Ebenfalls war er der rheinischen Textil-, Leder- und Zucker-, der Bergischen und Dürener Papierindustrie verbunden. Selbst am Schmuggel über die Rheingrenze verdiente er, und auch eine Geldstrafe von 100.000 Gulden verhagelte ihm die Bilanz nicht.

 

Gegenüber den anderen Kölner Finanziers hatte Abraham einen Startvorteil: er war Katholik. Zwar spielte die Konfession nach der Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen rasch keine Rolle mehr, doch trifft die ironische Gleichsetzung von arm und katholisch für ihn jedenfalls nicht zu.

 

Im Fall von Morsbroich gehörte er mindestens zu den mittelbaren Nutznießern der Säkularisation. Bis 1803 hatte hier ein Landkomtur des Deutschen Ordens gesessen, 1817 erwarb Schaaffhausen das Schloss. Allerdings war der Verkäufer Jean Antoine Agar, gewesener Finanzminister des (napoleonischen) Großherzogtums Berg.

 

Mit dem Kölner Geldadligen lässt sich sogar in Verbindung bringen, dass Morsbroich heute ein renommiertes Museum für Moderne Kunst beherbergt. Denn die Gemäldesammlung der Schaaffhausens hatte einen großen Ruf, wenngleich sie von einem eher konservativen Kunstgeschmack zeugte: Werke von Rembrandt, Rubens und Cranach setzten hier die Akzente.

 

Abraham Schaaffhausen steht im Schatten seiner Tochter Sybille, von ihren Biographen gern die „Rheingräfin“ genannt. Aber auch sie fügte sich dem Vater, der ihr einen leitenden Angestellten seines Unternehmens zum Gatten bestimmte. Einer „ärm Familich“ wollte der Bürger Schaaffhausen vorbeugen, letztlich sah er in seinen Töchtern eine unternehmerische Manövriermasse. Bei Sibylle, verheiratete Mertens, ging das gar nicht gut, ihre Vertraute Annette von Droste-Hülshoff spricht von einer „Höllenehe“.

 

Die Familiengeschichte ließe sich ebenfalls im Schaaffhausenschen Bankverein weitererzählen, über den Abraham zu einem Stammvater der Deutschen Bank wurde. Als er 1824 starb, stand seinem Geldhaus der wirkliche Aufstieg noch bevor. Seine Frau Therese überlebte ihn um über 40 Jahre. Beide fanden nicht auf Melaten ihre letzte Ruhestätte, sondern auf dem Schlebuscher Friedhof.