



Die Weltbekanntheit des einheimischen Werwolfs herauszustreichen, hat auf den ersten Blick etwas von Verzweiflungstat. Doch das gewaltige Rauschen im zeitgenössischen Blätterwald, das literarische Weiterleben bis in die jüngste Zeit, die Anteilnahme der Heavy-metal-Musikszene rechtfertigen das lokale Handeln - bis hin zum den einschlägigen Wanderweg.
Dabei bleibt völlig unklar, ob der Epprather Bauer Peter Stump oder Stubbe wirklich ein Schwerverbrecher war oder nur ein Justizopfer. Eins ist er natürlich nicht gewesen: ein Werwolf.
Offenbar hat die Vorstellung vom Menschenwolf ein zähes Leben geführt; das Wort des römischen Komödiendichters Plautus, der Mensch sei des Menschen Wolf, mag da hineingespielt haben. Früh geisterte der Werwolf durch den Volksglauben, besonders scharfe Konturen gewann er unter dem Horizont des Hexenwahns. Vom Teufel, ging das Gerücht, komme der Gürtel aus Wolfsfell, der ihnen die Verwandlung ermögliche.
Zurück zu Peter Stump. Von seinem Fall hatte der treffliche Hermann Weinsberg im nahen Köln gehört und wohl auch gelesen. Unter dem Exekutionsdatum vom 31. Oktober 1589 vermerkt er, wie grausam der Epprather Bauer hingerichtet wurde und welche Verbrechen er selbst einbekannt habe: „Er hätt 25 Jahre mit einer Teufelin gebuhlet, dazwischen mit seiner eigenen rechten Tochter. Und hätte in Wolfsgestalt 12 Kinder von 6 oder 7 Jahren, und auch sein eigenes Söhnchen zerrissen und ihnen die Hirne aus den Köpfen gefressen, zwei Männer und eine Frau ums Leben gebracht und viel Vieh angefallen.“
Das war auch für diese Zeit starker Tobak, aber eben deshalb auch damals schon besonders publikumswirksam. Stumps Untaten wurden europaweit, also nicht nur in Deutschland, auf Flugblättern verbreitet. Bezeichnenderweise rücken die beigegebenen Holzschnitte keineswegs die Delikte, sondern die grausame Bestrafung des Täters in den Mittelpunkt.
Übrigens hat Weinsberg seine Zweifel an der Werwolf-Geschichte, obgleich er sie lieber ein wenig allgemein formuliert: „Aber dass alles wahr sei, was man von Zauberern sagt, träumt und nachschwätzt, das kann ich nicht glauben.“ Die Gerichtsprotokolle aus Bedburg gingen verloren. So fehlen selbst Anhaltspunkte dafür, ob Peter Stump die ihm zur Last gelegten Verbrechen begangen haben könnte. Umso freieren Auslauf hat die Phantasie der Nachgeborenen. Selten liefert die verbürgte Geschichte eine schönere Steilvorlage für einen Horrorroman.
Der Werwolf-Wanderweg lässt sich zwanglos mit einem Streifzug durch Alt-Kaster verbinden lässt, einen historischen Stadtkern, der hierzulande seinesgleichen sucht. Auf der ausgeschilderten Route erfährt der Wanderer kaum Glaubliches. Dennoch ist völlig aus der Luft gegriffen, ja eine böswillige Unterstellung, dass für die Untaten Peter Stumps sein ganzes Dorf büßen musste und darum dem Erdboden gleich gemacht wurde.
Epprath fiel lediglich der Braunkohle zum Opfer.