



Ein Augias-Stall. In der griechischen Sage muss Herkules die Viehunterkünfte des durchtriebenen Königs ausmisten. Eine ungeheuer schwere, eben eine Herkules-Arbeit. Doch der Held arbeitet nicht nur schnell, sondern auch höchst effizient. Er leitet zwei Flüsse erst um und dann durch die Stallungen.
Die Wupper. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört es zu ihren vornehmsten Aufgaben, möglichst viel Dreck wegzuschwemmen. Aber beim naturgemäß niedrigen Pegel während der Sommermonate fehlt es ihr an Wasserkraft. Überhaupt fordert die geballte Industrie im Wupper-Tal den gleichmäßigen Zufluss. Niedrigwasser passt zu einem reibungslosen Ablauf der Produktion ebenso wenig wie Hochwasser.
Die Talsperre. Noch nicht so lange steht ein derart probates Mittel zur Verfügung, um die Flussaktivität zu regeln. Die Talsperre ist eine Mehrzweckwaffe des Industriezeitalters. Im gebührenden Abstand zu den Zentren hält sie Trink- wie Brauchwasser vor.
Und so ließe sich das Bergische Land als Wiege des deutschen Talsperrenbaus und der Aachener Wasserbau-Professor Otto Intze (17.05.1843-28.12.1904) als dessen Vater bezeichnen, wären nicht die ersten Talsperren im Elsass errichtet worden, nachdem es zusammen mit Lothringen 1871 ans Reich gefallen war.
Talsperre. Ein Wort von abweisender Nüchternheit. Technisch eben, ohne die Segnungen der Technik auch nur durchblicken zu lassen. Da zielt das Wort Stausee schon eher auf den auf den kulturlandschaftlichen Mehrwert. Wenn jetzt noch das Stau- wegfällt und an seine Stelle der Talsperrenname tritt, lockt jedenfalls sprachlich die Idylle.
Eine frühe Talsperre staute 1898 den Wupper-Nebenfluss Bever. Die Entwürfe lieferte Otto Intze, der nur sieben Jahre vorher bei Remscheid die erste deutsche Trinkwasser-Talsperre geplant hatte. Der Bever-Stausee speicherte gut 3 Millionen Kubikmeter Wasser, doch recht bald reichte sein Fassungsvermögen nicht mehr. Vierzig Jahre später wird sich die neue Sperrmauer der etwa siebenfachen Menge Wasser entgegenstemmen.
Die Bever-Talsperre dient einer geregelten Wasserführung der Wupper. Deshalb muss nicht gar so streng auf die Qualität ihres Inhalts geachtet werden, was wiederum ihren Freizeitwert bedeutend erhöht. Hier lässt sich zelten und campen, surfen und segeln, paddeln und rudern, angeln und tauchen, und natürlich auch baden.
Darüber hinaus ist dieser Stausee der vielfältigste im bergischen Wasserquintett, seine entlegeneren Ufer verdienen das Prädikat landschaftlich reizvoll. So erliegt mancher der Versuchung, das große Spektrum der Freizeitangebote auf eigene Faust zu erweitern. Aber zur Bever-Talsperre gehört ja auch ein Biker-Treffpunkt wie die „Zornige Ameise“. Ein Name wie ein Wink mit dem Zaunpfahl. Schon mancher wilde Zelter hat ihren Zorn zu spüren bekommen.