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Sie waren oft gerädert -

auf der Brüderstraße

Straßen verbrüdern nicht ohne weiteres, aber sie verbinden. Die Brüderstraße verband Köln und Siegen, sie war Teil der mehr oder weniger alten Überlandroute, die aus Flandern kam und über Siegen hinaus nach Kassel und Eisenach führte. Die heutigen A 4 und 45 zeichnen den Verlauf der Brüderstraße in etwa nach, abschnittsweise folgt ihr die B 55 ziemlich getreu.

 

Wie alle historischen Verkehrswege war auch dieser als Höhenweg angelegt, mied also möglichst die Täler. Der Wind ließ hier oben die Wege rascher abtrocknen und bald hatten die mahlenden Räder den Fels freigelegt, der dann als natürliche Pflasterung dienen konnte. Die Höhen, vor allem die Kammlinien ebneten den Weg, erleichterten den Transport. Durch die Täler flossen Bäche und Flüsse, schnell verschlammte der Grund, und die Wege wurden unpassierbar. Kurz, in den Tälern hätte der Karren noch häufiger aus dem Dreck gezogen werden müssen.

 

Überhaupt war eine Fahrt auf der Brüderstraße kein Zuckerschlecken. Schon weil sie durch ein stark zertaltes Gebiet führte, Täler sich also nie ganz vermeiden ließen. Übrigens führte diese Straße über gerade einmal drei Brücken, die meisten Wasserläufe wurden per Furt gequert.

 

Öfter als den Fuhrleuten lieb war, ging es hinauf und hinunter, oft genug auf dem kürzesten, auf halsbrecherisch kurzem Weg. Dann musste der Wagenführer beim Abwärtsfahren mit seiner ganzen Kraft in die Speichen greifen und hatte seine liebe Mühe, nicht unter die Räder zu kommen. Wo die Brüderstraße an heute bewaldeten Hängen verlief, zeugen manchmal noch ganze Hohlweg-Bündel von der Notwendigkeit, häufiger die Spur zu wechseln. Am Buchholzer Berg bei Untereschbach blieb eine besonders imposante Rampe mit tief eingefahrenen Gleisen erhalten.

 

Auch sonst gehorchte die Wegeführung pragmatischen Erfordernissen. Es gab Abkürzungen und Nebenstrecken, später erzwangen die Territorialherren auf der Homburg und weiter östlich die auf der Wildenburg eine geänderte Führung. Natürlich war ihnen nicht nur an der besseren Anbindung ihres Machtzentrums gelegen, sondern auch an möglichst hohen Zolleinnahmen.

 

Den Verlauf der Brüderstraße zu erkunden, ist sicher reizvoll, nur eben nicht immer der pure Wander- oder Radwanderspaß. Wenn die alte Straße nicht gleich von ihren modernen, viel befahrenen Nachfolgern in Anspruch genommen wird, liegt einem deren Motorenlärm doch oft genug in den Ohren, denn der Abstand vor historischer und aktueller Verkehrsader ist denkbar gering. Das spricht entschieden für die Trassenführung der Brüderstraße, die von Köln nach Siegen erstaunlich wenig Kilometer brauchte.

 

Viel weniger zielstrebig sind wir die nächstliegende Frage angegangen: Woher hat die Brüderstraße ihren Namen? Und können uns nur damit entschuldigen, dass keine der angebotenen Erklärungen wirklich überzeugt. Offenbar bleibt es selbst einem derart viel frequentierten Verkehrsweg nicht erspart, sich im Dunkel der Geschichte zu verlieren. Aber wenn wir an manche heutige Straße denken: Liegt darin nicht so etwas wie Trost?