



Die Thebäische Legion. Mögen Historiker ihre Existenz noch so sehr bezweifeln, sie hat ihre eigene Aura. Im Wallis soll sie um 290 die Exekution christlicher Mitbrüder verweigert haben, daraufhin seien die meisten ihrer Soldaten enthauptet worden.
Ruhmreichster Thebäer war Mauritius. Die Heilige Lanze, also das älteste Reichkleinod, stammt der Legende nach aus seinem Besitz. Ebenfalls als Angehörige dieser Legion werden der Kölner Stadtpatron Gereon geführt, außerdem Viktor, Schutzheiliger des Xantener Stifts, und eben die Bonner Stadt- und Stiftspatrone Cassius und Florentius.
Wie kommt es zu einem derart massiven Auftreten von Thebäern in unserer Gegend? Wiederum der Überlieferung zufolge gehörten sie zu den Teilen der Legion, die noch vor dem blutigen Exempel in den Schweizer Alpen Richtung Niederrhein aufgebrochen war. Unfehlbar ereilte sie auch dort der Märtyrertod.
Wie allerdings Gereon und Viktor, wie Cassius und Florentius rheinische Thebäer wurden, ist ungeklärt. Denn dazu hat sie wohl erst die Tradition gemacht. Doch zweifellos entsprach die hohe Ansehen der legendären Legion dem hohen Rang Bonner Stifts in der Hierarchie des Kölner Erzbistums.
Urkundlich kommen Cassius/Florentius und Bonn erst 691/92 zu ihrem frühesten gemeinsamen Auftritt, und mit dem „oppido castro Bonna“ ist hier wohl noch die Siedlung im weiter nördlich gelegenen ehemaligen Römerlager gemeint.
Zum Patronendoppel der Kirche gesellte sich später noch ein dritter. Dieser heilige Mallosus wurde hier freilich nur adoptiert. Seine sterblichen Überreste kamen vom Niederrhein zunächst nach Köln, in dessen Reliquienfülle sie unterzugehen drohten. Der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel erhob die Gebeine des Mallosus in Bonn. Nur zur Erinnerung: Rainald war eben der, dem Köln die Reliquien der Heiligen Drei Könige verdankt.
Freilich spielte Mallosus selbst im weniger angebotsstarken Bonn nur eine Nebenrolle. Das helle Licht der Verehrung fällt vielmehr auf Cassius und Florentius, wobei der stets erstgenannte Cassius den höheren Bekanntheitsgrad hat.
Der enge Zusammenhang zwischen den Bonner Schutzheiligen und den übrigen rheinischen Thebäern belegt auch die Verehrung von Cassius in Köln und Xanten. Ein flandrischer Wandteppich im Besitz der Xantener Kirche zeigt den Heiligen, wie man sich um 1520 einen römischen Offizier vorstellte.
Vor kurzem wurden auf dem Dachboden des Bonner Münsters die barocken Büsten von Cassius und Florentius entdeckt und restauriert. Der optisch machtvollste Auftritt der beiden Patrone ist ganz jungen Datums. Seit 2002 liegen zwei riesige Köpfe wie sauber abgetrennt auf dem Pflaster vor dem Münsterchor. Viele ratlose Blicke streifen den glatt polierten Granit. Kaum ein Passant weiß, wessen Häupter die Werke des Bildhauers Iskender Yediler darstellen sollen.
Aber wenn sie schon als Stolpersteine wahrgenommen werden, warum dann nicht auch als Denkanstoß?