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Der Dom und die Leitung –

Eine sagenhafte Verbindung von Kathedrale und Römerkanal

Viele große Kirchen haben ihre Baumeistersage, die stets mit einem Teufelspakt beginnt. Oft wird der Satan dann doch übertölpelt. Aber es gibt eben auch den moralischen Schluss: Der Baumeister wird vom Teufel geholt, bitter sühnt er seine Vermessenheit, frei nach Ibsens ‚Baumeister Solness’: „Die Leute empfinden sehr richtig, dass niemand ungestraft so hoch baut.“

 

Wäre das eine Geschichte von heute, sie erregte garantiert den Neid-Verdacht. Denn teilt sie nicht die Sicht der Zukurzgekommenen, die dem Genie seinen Erfolg neiden? Jedenfalls spricht aus ihr ungläubiges Staunen, der insgeheim widerwillige Respekt vor einem Bauwerk, das menschliches Maß übersteigt.

 

Natürlich wissen wir, dass ein Dom nie das Werk nur eines Baumeisters ist, sondern das ganzer Baumeistergenerationen. Aber so lässt sich keine Geschichte erzählen, und schon gar nicht die vom Kölner Dombaumeister Gerhard. Sie geht mehrere Versionen um, aber immer unterscheidet sie sich durch ein interessantes Detail von anderen Baumeistersagen aus anderen Städten. Stets spielt auch das Wasser eine Rolle, das der Teufel mittels langer Leitung nach Köln führen will, eine Leitung, deretwegen Gerhard seine Seele aufs Spiel setzt. Der Baumeister glaubt, nur er allein kenne den entscheidenden technischen Kniff für den Kanalbau. Leider vertraut er sein Wissen seiner Frau an, und natürlich kann der Höllenfürst ihr das Geheimnis entlocken. Woraufhin sein Werk gelingt und Meister Gerhard zur Hölle fahren muss.

 

Wie aber lässt sich diese Variante erklären, eine Variante, die den Gang der Handlung völlig unnötig kompliziert?

 

Meist will der Teufel einen Kanal von Trier nach Köln bauen, aber immer muss er damit durch die Eifel. Und hier kommt ein wirklicher Kanal ins Spiel. Noch im Mittelgebirge, aber dann auch in der Zülpicher Börde und Kölner Bucht widerfuhr manchem Bauern Ärgerliches. Seine Pflugschar traf auf massives Mauerwerk, oft machten die Steine das Schneideblatt unbrauchbar. Nachdem der Schwall kräftiger Flüche verebbt war, besah sich der Landmann die Sache genauer. Er hatte eine oben schön gerundete Architektur geschrammt, für die nach Auskunft seines Schadens nur der Teufel verantwortlich sein konnte.

 

Bei dieser „Teufelsader“ handelt es um die römische Wasserleitung von Nettersheim nach Köln, und sie zählt zu den bedeutendsten Ingenieurleistungen der Antike. Lange galt sie als völlig mutwilliges, als sinnloses Konstrukt; unmöglich, dass unsereins dabei seine Hand im Spiel gehabt haben konnte.

 

Der Dom und die Leitung: Offenbar sind beide so unvorstellbar Menschenwerk, dass es bei ihrem Bau nur mit dem Teufel zugegangen sein kann. - Eine andere Sage schreibt ihm die Verwünschung zu, der Dom solle nie fertig werden. Wem jetzt die ständige Arbeit an der Kathedrale einfällt, den könnte auf die Idee kommen, hier habe der Böse seine Macht bewiesen. Dabei hat er nur die Apokalypse auf ewig verhindert. Wie sagt doch der Kölner: Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter.