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Die süße Rübe –

Eine rheinische Erfolgsgeschichte

„Auf Zucker gebaut“. 2008 lockte eine Ausstellung im Bonner Museum Koenig mit diesem zunächst rätselhaften Titel. Er sollte darauf aufmerksam machen, dass Schausammlungsgründer Alexander Koenig (1858-1940) seine mäzenatischen Möglichkeiten seinem Vater verdankte, dem Zuckerindustriellen Leopold Koenig.

 

Während Leopold aus dem fernen Russland nach Bonn übersiedelte, kam die Familie von Wilhelm Joest (1852-1897) aus dem nahen Solingen. Schon Wilhelms Großvater Carl, 1839-42 größter Steuerzahler Kölns, hatte als Zuckerfabrikant reüssiert. Die ethnographische Sammlung Wilhelms ist die Basis des Kölner Völkerkundemuseums, und auch er schuldete seine finanzielle Beweglichkeit dem Vermögen, das seine Familie mit Zucker machte.

 

Zwar ist das Rheinland nicht die Wiege des Zuckerrübenanbaus, aber in der Köln-Aachener Bucht liegt doch einer seiner Schwerpunkte. Allerdings hat es bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gedauert, ehe sich die nahe Rübe gegen das ferne Rohr durchgesetzt hatte. Doch zunächst war der Anbau für die Landwirte keineswegs ein Zuckerschlecken. Ihre Abnehmer, bald „Zuckerbarone“ genannt, diktierten ihnen harte Verträge. Erst als sich die Erzeuger im Rheinischen Rübenbauernverband zusammentaten, konnten sie den Industriellen Paroli bieten.

 

Aber die Geschichtsschreibung liebäugelt nun einmal mehr mit den „Unternehmerpersönlichkeiten“. Ins Auge fällt, doch kaum zufällig ist, dass viele Pioniere der Zuckerindustrie aus dem Bergischen Land kamen. Fast alle gingen nach Köln, das sich zum bedeutendsten Zuckermarkt Preußens entwickelte.

 

Über alle Konzentrationsprozesse hinweg hat sich das Familienunternehmen Pfeifer & Langen auf dem Markt behaupten können. Den Anfang machten Emil Pfeifer (1806-1889) und der höchst rührige Erfinder-Unternehmer Eugen Langen (1833-1895). Das Firmenlogo ist ebenso einfach wie von schlagender Bildlichkeit: es zeigt das Kölner Domturmdoppel als zwei Zuckerhüte.

 

Kommen wir noch einmal auf die rheinischen Bauern und die Rübe zurück. Zweifellos kam dem Anbau zugute, dass dem unterirdischen Pflanzenteil immer mehr Zuckergehalt angezüchtet wurde und dass die Böden der Köln-Aachener Bucht fürs Wachsen und Gedeihen sehr geeignet waren. Weil zur höchsten Süße der Rüben auch ein sonniger, jedenfalls warmer Sommer gehört, können die Erträge schwanken. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich mit ihnen wirklich Geld verdienen, und so kam die Zuckerrübe zu dem Ehrentitel „Königin der Feldfrüchte“.

 

Notwendiger Nachtrag: Schon die Freude über der nordrhein-westfälische Rekord-Rübenernte von 2007 war nicht ungetrübt. Ein Urteil des Welthandelsgerichts zugunsten des Zuckerrohranbaus hatte eine Änderung der EG-Zuckermarktordnung zur Folge. Die Erlöse fielen um bis zu 40 %. Der sehr viel geringere Profit wird dazu führen, dass immer weniger Zuckerrüben angepflanzt werden. Selbst auf den Feldern um die Zuckerfabrik Euskirchen blüht jetzt schon der Raps . . .