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Die Spur der Steine –

Der Drachenfels kommt in Fahrt

Das Gestein, die steile Flanke und der Strom gleich am Fuß: Das ist eine Trinität, die zum Bergeversetzen anstiftet. Sicher um den Preis des Verschwindens an Ort und Stelle und einem Wiederaufbau anderswo und nach ganz anderen Vorgaben. - Obwohl durchaus namhafte Autoren den Kölner Dom mit einem Gebirge verglichen haben.

 

Weit trug es den Stein vom Drachenfels rheinabwärts. Grandiosen Kirchenbauten verlieh er Gestalt, ob sie nun in Bonn, Neuss oder Xanten entstanden.

 

Und eben auch in Köln. Allerdings sollte es dauern, bis die Vorräte an römischem Mauerwerk aufgebraucht waren. Der Alte Dom hatte Türschwellen aus Drachenfels-Trachyt, gebrochen in römischer Zeit und für die Kathedrale zweitverwendet. Oberhalb von Königswinter zeugen heute noch Spuren vom antiken Steinbruch.

 

Im Mittelalter hatte der hiesige Trachyt hohe Konjunktur. Prominentestes Beispiel ist natürlich der gotische Dom. Sein epochaler Chor besteht fast ganz aus Drachenfels. Nur: ob sein Gestein erste Wahl gewesen wäre, hätten die Steinmetze die Wahl gehabt? „Spröde, eigentlich nicht sehr ansehnlich, arbeitstechnisch durchaus undankbar“, nennt ihn Arnold Wolff, bis 1998 Dombaumeister.

 

Dem Laienauge scheint ein Stein oft wie der andere. Doch beim Drachenfels-Trachyt muss selbst dieses Laienauge nur ein wenig genauer hinschauen: Das Vulkangestein hat charakteristische Einschlüsse: Die Sanidin-Kristalle. An der Schnittkante erscheinen sie als starker Strich, sind aber prismatische, fast durchsichtige Tafeln. Sanidine freuen auch den Mineraliensammler.

 

Dem Herrn auf Drachenfels reichte, dass der Stein begehrt war. Als das Kölner Domkapitel ab 1248 riesige Mengen davon orderte, wurde ein eigener Steinbruch eröffnet, die Domkaule. Und wenn es um landschaftliche Kennmarken geht, dann beherrscht die große Steinrutsche das Bild, die im 30jährigen Krieg ohnehin zerstörte Burg obenauf spielt nur eine Nebenrolle.

 

Um 1530 enden die Arbeiten am Kölner Dom. Hoffnung schöpfen die Steinhauer von Königswinter, als 1827 die Reparatur am gotischen Gemäuer, 1840 die Vollendung des Doms in Gang kommt. Ihr Abbauinteresse richtet sich vor allem auf den Felsstock, der den Bergfried trägt: „Um diese Steine zu erhalten, müsste auch nur der Turm hinweggeschafft werden.“

 

Aber die Rheinromantik: Sie kommt dem löblichen Versuch zur Stärkung der einheimischen Wirtschaft dazwischen. Nun wollen die höchsten Herren in Berlin „dem Unwesen der Zerstörung solcher geschichtlichen Denkmäler steuern, welches gewöhnlich nur aus Gewinnsucht geschieht.“ Und obwohl die Steinhauergewerkschaft in keinem Geringeren als dem Dombaumeister Zwirner einen starken Fürsprecher hat, wird der Drachenfels 1836 unter Schutz gestellt, spätere Anläufe, ihn doch noch auszubeuten, scheitern ebenfalls.

 

So bleibt der Drachenfels stehen. Und die Wege seines Gesteins lassen sich immer noch an ihren Ursprung zurückverfolgen, der nicht bloß ein virtueller ist.