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Einer Lebensader zu Ehren –

Der Duffesbach und das Kölner Gewerbe

Kölner sprechen gern von „den Bächen“. Vier findet der Finger auf dem Stadtplan, von Ost nach West sind es Weiden-, Rothgerber-, Blau- und Mühlenbach. Dass immer nur einer gemeint ist, wissen viele nicht. Wie sollten sie auch, wenn sich oberirdisch nicht die geringsten Anzeichen eines Wasserlaufs finden lassen?

 

Gemeint ist immer nur der Duffesbach, und sein Elend beginnt schon an der Quelle. Bei Hürth-Knapsack entspringt er - in einer Kläranlage. Halbwegs Klarheit herrscht bei seinem Namen, das mundartliche Duffes bedeutet wohl Taubenschlag.

 

Schon früh trug der Duffesbach zum Gedeihen der Stadt bei: Die früheste römische Fernwasserleitung nach Köln bediente sich seiner Quelle. Doch während er das oppidum ubiorum mit Trinkwasser versorgte, diente er im Mittelalter ausschließlich als Brauchwasserlieferant. Das allerdings aufs Heftigste. Dabei kam den Nutzern gelegen, dass der Duffes- als einziger Bach in den Rhein mündete und nicht auf der Niederterrasse versickerte.

 

Etwa dort, wo der Salierring auf den Barbarossaplatz stößt, stand früher das Bachtor. Gleich dahinter finden wir heute die Straße ‚Am Weidenbach’. Hier wuschen zwar schon die Leinenwäscher ihr Linnen, im Übrigen aber dürfte diese Partie ein recht idyllisches Ambiente geboten haben.    

 

Nur eine kurze Strecke stadteinwärts musste der Bach dann Schwerstarbeit leisten. Heute führt eine sechsspurige Straße ihren Namen, damals saßen hier die Rotgerber. Sie bearbeiteten ihre Felle mit Eichenlohe, die das Wasser rot färbte. Dass es weiter farbenfroh den Bach hinunterging, deutet der Name Blaubach an. Das berühmte Kölner Blau, wie es heute noch im Blaumann weiterlebt, färbte hier nicht nur die Tuche, sondern auch den Duffesbach.

 

Wer den Bach würdigen will, muss auch auf den Namenszusatz –graben achten. Eine Ableitung ging durch den Perlengraben. Nur wurde hier weder nach Perlen gefischt noch welche vor die Säue geworfen. Perlen meint Pellen, also wiederum Felle, denen hier die Weißgerber ihre Feinarbeit angedeihen ließen.

 

Ursprünglich legte der Duffesbach das letzte Stück Weg durch den Filzengraben zurück, wo die Filzer ihre Tuche zu einem stabilen Stoff walkten. Später wurde dem Bach ein fast gerader Verlauf durch die Große Witschgasse verordnet. Was sich dann in den Rhein ergoss, sinnigerweise auf Höhe des heutigen Schokoladenmuseums, war nur mehr eine braune Brühe.

 

Wir lernen: Der Duffesbach hat sich um die Kölner Wirtschaft verdient gemacht. Wir lernen auch: Das ging schon früh zu Lasten der Wasserqualität. Schon bald musste der Bach streckenweise in den Untergrund, heute verschwindet er bereits hinter dem Militärring. Und wo er auf Kölner Stadtgebiet oberirdisch fließt, ist er eine trostlose Rinne.

 

Aber: wenn es ein Wasserlauf verdient hat, wenigstens im äußeren Grüngürtel wieder von seinem Korsett befreit zu werden, dann der Duffesbach. Und wenn jemand zu dieser Wiedergutmachung berufen ist, dann die Kölner. Sofern sie noch einen Funken Geschichtsbewusstsein im Leib haben.