



Sein roter Kubus wird über der Hangkante ragen und die Siegaue beherrschen wie einst eine Höhenburg ihre Umgebung. Nur darf, wer vom neuen Fischerei-Museum Troisdorf-Bergheim spricht, vom Arbeitsplatz der Fischer nicht schweigen. Gleich unterhalb des Steilufers schickt sich die Sieg an, in den Rhein zu münden. Ihr einstiges Delta war ein ergiebiger Fanggrund.
Träger des Museums ist die traditionsreiche Fischerei-Bruderschaft Bergheim. Sie lässt ihre rund 1000jährige Geschichte 987 beginnen, damals wurde das Stift Vilich von seinen adligen Gründern dem Reich übertragen. Vilich gehörte umfangreicher Grundbesitz in Bergheim. Dort bildete sich im Lauf der Jahrhunderte die Bruderschaft als zunftähnliche Organisation heraus, sie hatte jeden „dritten Fisch“ an die geistlichen Damen abzuführen. 1850 können sich die Brüder, jetzt vom preußischen Staat, das alleinige Fischereirecht sichern. Und schon kurz nach Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs erreichen sie 1907 die Eintragung als rechtsfähiger Verein.
Bis heute hat die Bruderschaft Bestand, sehr im Gegensatz zu ihrem Brotberuf. Als sie 1964 ihr neues prachtvolles Wappen vorstellte, trieb die Sieg dem Höhepunkt ihrer Verschmutzung entgegen. Eine „Todesanzeige“ vom 21. Mai 1971 brachte es auf den Punkt: „Nach jahrelangen, heimtückischen Anschlägen ist unser schöner Heimatfluss acht- und gewissenlosen Kontrahenten erlegen.“
Kleine Texte müssen sich vor großen Worten ganz besonders hüten. Aber vielleicht ist die Verbesserung der Gewässergüte doch ein Kraftakt, der einmal zu den wirklichen Errungenschaften der eben verwichenen Jahrhundertwende zählen wird. Auch in der Sieg haben die Fische wieder mehr Luft zum Atmen.
Allerdings bleibt die gewerbsmäßige Fischerei wohl noch lange Utopie. Und auch die Siegmündung ist erst wieder auf dem Weg zu einer imposanten Auenlandschaft.
Die Konflikte zwischen Mensch und Natur haben hier ein beträchtliches Ironiepotential. Da werden die naturferne Hybridpappeln-Reihen alterschwach und so interessant für die gefiederten Höhlenbrüter und die Fledermäuse, bedrohen aber Spaziergänger durch herabfallende Äste. Ohne Krone stehen sie nun am Fluss und seinen Altwassern als gepfählte Stämme.
Und gerade die neue, flussgemäße Beweglichkeit der Sieg erschwert eine Rückkehr zu naturnäheren Verhältnissen. Halbwegs entfesselt verfrachtet sie auch stark gedüngten Ackerboden. Dort, wo er wieder abgeladen wird, verdrängen stickstoffhunrige Allerweltspflanzen die wertvolleren Arten.
All diese Zusammenhänge wird das neue Haus zur Sprache bringen. Es soll eben nicht mehr nur (und sei es museumsdidaktisch auf dem neuesten Stand) die Vergangenheit beschwören, sondern auch Wege in die Zukunft weisen.