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Ein kurzer Traum von der Republik –

Ein Jakobiner und das ‚Freie Land Rheinbach’

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Johann Baptist Geich (1767-1824) wieder in Rheinbach. Doch da waren die Hoffnungen längst zerstoben, die er einst an dieses Landstädtchen geknüpft hatte. Jetzt griff der früher so unermüdliche Publizist nur noch zur Feder, wenn in seiner wenig gefragten Advokatenpraxis ein Schriftsatz abzufassen war.

 

Doch damals, nach 1794, als die Truppen des revolutionären Frankreich das linke Rheinufer besetzt hielten, damals hatte Geich wacker für ein freies Rheinland gestritten. Für seine Feinde freilich war er ein „Auswürfling der teutschen Nation“, und Neckzettel von der Art „abtrünniger, hergeloffener, krummer Pfaffe“ hingen ihm an wie dem Christbaum das Lametta.

 

1795 war er von seiner Geburtsstadt Köln nach Bonn gezogen, hier, in der Bezirkshauptstadt von Gnaden der Besatzungsmacht, glaubte er seiner Stimme mehr Gehör zu verschaffen. Tatsächlich unterstützte die hiesige Verwaltung sein „Bonner Intelligenz-Blatt“. Es konnte sich dennoch nur ein Jahr halten.

 

Geich war ein Republikaner reinsten Wassers, das auch die harte Realpolitik der Franzosen nicht trüben konnte. Er hoffte auf ein Rheinland als der Schwesterrepublik Frankreichs, sah seine deutschen Landsleute als philosophische Vollender der politischen Revolution, die dem Geist des großen Königsberger Aufklärers Immanuel Kant verpflichtet waren.

 

Ihre Stunde schien im Frühjahr 1797 gekommen. Ganz besonderen Auftrieb versprach die Situation in Rheinbach. Schon lange lagen die Bürger hier mit ihrem Magistrat überkreuz, die hiesigen Sympathieadressen für Frankreich trugen 1284 Unterschriften, so viele waren selbst im großen Köln nicht zu zusammengekommen (1226). Es war in Rheinbach, wo der erste Freiheitsbaum überhaupt gepflanzt wurde, es war am 5. September 1797, als Geich hier die Cisrhenanische Republik ausrief und die Rheinbacher als „Muster der Völker Cisrhenaniens“ feierte.

 

Doch das „Freie Land Rheinbach“ blieb eine Fußnote der Welthistorie, wie auch die Idee einer Cisrhenanischen Republik unter das Rad der Geschichte geriet. Spätestens als 1798 das linke Rheinufer zu Frankreich geschlagen wurde, war der Traum von einer freien und gleichen Schwesterrepublik ausgeträumt.

 

Geich aber blieb selbst dem napoleonischen Frankreich gegenüber loyal. Blieb es, nur am Rande vermerkt, obwohl er davon keine persönlichen Vorteile hatte.

 

Als das Rheinland 1815 an Preußen fiel, verstummte Johann Baptist Geich ganz. Er hatte einmal geschrieben, der „wahrhaft Aufgeklärte“ mache sich „in Epochen großer Staatsumwälzungen“ „den reichern Teil der Gesellschaft zu Feinden“, doch „tröste(t) ihn das Bewusstsein, seine Pflicht getan zu haben“.

 

Hoffentlich konnte er wenigstens diesen Trost in seine armselige Anwaltsexistenz hinüberretten. Immerhin ließ sich die republikanische Nostalgie nirgendwo zärtlicher pflegen als in Rheinbach.