



„Ein Neuigkeitentrödler schlug auf zu Köln sein Zelt“. So beginnt ein - im Original französisches - Schmähgedicht, das kein Geringerer als Preußens Friedrich II. auf Jean Ignace de Roderique (1696-1756) schrieb. Nun verdankt dieser König den Beinamen ‚der Große’ gewiss nicht seiner Lyrik. Und reichte doch seine Reimkunst hin, um in einem vierstrophigen Pamphlet die journalistische Gewissenlosigkeit Roderiques zu geißeln.
Friedrichs Hass galt ebenso sehr dem Mann wie seiner Zeitung, der französischsprachigen ‘Gazette de Cologne’. Sie war zwar nicht das auflagenstärkste, gehörte aber zu den politisch einflussreichsten Organen des 18. Jahrhunderts.
Ihr Herausgeber konnte auf einen recht bewegten Lebensweg zurückblicken, als er sich in Köln niederließ. Hier besetzte der gewesene Jesuiten-Novize zunächst den Lehrstuhl für Geschichte und war damit der erste seines Faches an der Kölner Universität.
Nur ernährte diese Professur ihren Mann kaum. Jedenfalls bat Roderique am 15. Juni 1734 den Kölner Rat, ihm die Gründung einer französischsprachigen Zeitung zu erlauben. Französisch war die Sprache der europäischen Eliten, auch der bürgerlichen, und auf dieses internationale Publikum zielte die Neugründung. Natürlich versprach Roderique in seinem Gesuch, „dass eine französische Zeitung wohl aufgenommen, dieser Freien Reichsstadt zu und mehr denn einem Bürger zu Nutzen gereichen wie der katholischen Religion zum Besten gedeihen würde“.
Zum Besten gedieh die Gazette de Cologne jedenfalls ihrem Macher. Ein Privileg Kaiser Karls VI. entzog sie seit 1753 der Zensur, ohnehin galt sie Zeitung als Sprachrohr der habsburgischen Politik. Damit erregte sie den Unwillen gegnerischer Staaten, zum Beispiel trat die Hannoversche Regierung an den Kölner Stadtrat heran und forderte ihn energisch auf, Roderique endlich den Prozess zu machen.
Möglicherweise war es gerade Roderiques Meinungsfreudigkeit, die seiner Zeitung Gewicht verlieh. Nur damit waren seine Qualitäten unzureichend beschrieben. Zu den Stärken seines Blatts gehörte ein ausgedehntes Korrespondentennetz. Außerdem unterhielt zusätzlich eine geheime Korrespondenz, die einem exklusiveren Leserkreis vorbehalten war.
Dass er über die Jahre ein hübsches Vermögen zusammenbringen konnte, davon zeugt heute noch die Auferstehungskapelle in seiner Heimatstadt Malmedy. Er stiftete die Andachtsstätte und sorgte für deren Ausstattung. Ein prächtiger Grabstein ehrt sein Andenken.
In bleibender Erinnerung dürfte Roderique selbst die Anschläge des Alten Fritz behalten haben. Der ließ es nicht beim Verseschmieden bewenden. Vielmehr engagierte er einen Kölner Handlanger, der Roderique für das vergleichsweise bescheidene Honorar von 50 Gulden verprügelte. Friedrich hatte die doppelte Summe ausgelobt und drohte später immer wieder mit dem Begleichen der Restsumme.
So wurden Journalisten damals geprügelt und geehrt.