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„Hochromantisch beschienen“ –

Heinrich Heine und die Flusslandschaft

Aus dem nahen Düsseldorf kam er nach Bonn als Jurastudent. Gleich 1819 hatte sich Heinrich Heine der hiesigen ‚Allgemeinen deutschen Burschenschaft’ angeschlossen, hatte schnell Bekanntschaft mit dem Universitätsrichter gemacht und die ersten Gedichte verfasst.

 

Mit den Burschen zog er zum Landsturmdenkmal auf dem Drachenfels: „Um Mitternacht war schon die Burg erstiegen, / Der Holzstoß flammte auf am Fuß der Mauern, / Und wie die Burschen lustig niederkauern, / Erscholl das Lied von Deutschlands heilgen Siegen.“ Und schon in diesem frühen Gedicht sticht ihn zuletzt doch der heinetypische Hafer: „Sieh nun, mein Freund, so eine Nacht durchwacht ich / Auf hohem Drachenfels, doch leider bracht ich / Den Schnupfen und den Husten mit nach Hause.“

 

Deutschlands heilige Siege mit einer trivialen Erkältung kurzzuschließen, hat kaum die Sympathie der Bundesbrüder gefunden. Auch dem rheinromantischen Sagenschatz verweigerte Heine seinen Respekt. Die ergreifende Geschichte vom Ritter Roland erzählt in Versen, deren Geklapper den kindlichen Abzählreimen nacheifert: „Oben auf dem Rolandseck / Saß einmal ein Liebesgeck ... “

 

Szenenwechsel: Der „entlaufene Romantiker“ Heine ist ein gefeierter Dichter oder doch auf dem Weg dahin. Er ist nach Paris ins Exil gegangen, aber liegt dort nun sterbenskrank in seiner „Matratzengruft“. Dennoch schreibt er, fast bis zuletzt, schonungslos auch gegen sein eigenes klägliches Befinden.

 

Eins seiner späten Gedichte beginnt mit dem Vers: „Mit lodert und wogt im Hirn eine Flut“. Doch gleich wandelt sich der „tolle Wust“ zum heimatlichen Ambiente. „Das Städtchen, das mir im Sinne schwebt, / ist Godesberg, ich denke. / Dort wieder unter dem Lindenbaum / Sitz ich vor der alten Schenke.“

 

Es wird wohl eine „Schenke“ wie der Schaumburger Hof gewesen sein, jedesfalls eine gleich am Rhein. Wie selbstverständlich ordert der Gast im Gedicht eine Flasche Wein, wie selbstverständlich weitet sich dieser Erinnerungsort im Blick zum anderen Ufer. „Ich sah hinauf nach dem Drachenfels, / Der, hochromantisch beschienen / Vom Abendrot, sich spiegelt im Rhein / Mit seinen Burgruinen.“

 

Leider ist das schöne Bild gegen die triste Wirklichkeit ohne Chance. Der Doppelgänger – ein romantisches Todesmotiv - hat seinen Auftritt, seine Sicht der Dinge behält die Oberhand, mag das andere Ich noch so heftig dagegen aufbegehren. Und der fröhliche Zecher ist in Wirklichkeit ein Bettlägeriger, dem ein ganz anderer Trank eingeflöß wird: „Auch von der Mixtur – ein Esslöffel voll - / Zwölf Tropfen stündlich in jeden.“

 

Auch in diesen siebzehn Strophen ist der Heine-Klang gegenwärtig, blitzt auch angesichts des Todes der Übermut eines sprachlichen Virtuosen. Umso bewegender das Rhein-Bild, samt Drachenfels im Abendrot, wie sich das heute keine Kitschpostkarte mehr traut. Es hat etwas mit Glück zu tun, dass der Blick erhalten blieb, dass er sich nicht nur im Nachhinein beschwören, sondern auch aktuell genießen lässt. Immer gesetzt den Fall, man hat sich vor den Radfahrer-Pulks auf dem Leinpfad rechtzeitig in Sicherheit gebracht.