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Ein Hang zum Moor –

Hangmoore im Bergischen Land

Vom Weg aus scheint es nur eine Lichtung im Fichtenforst. Doch wer den düsteren Riegel durchquert, reibt sich die Augen. Reckt den Hals nach den noblen altrosa Blüten, die zwischen den Grasbulten leuchten. Schließlich ist die Glockenheide nicht irgendwer. Die Poeten haben sie und keineswegs die dunkler getönte Besenheide als Erika besungen.

 

Hangmoore sind eine Besonderheit des Bergischen Lands. Gut, Hangmoore gibt es auch im benachbarten Sauerland, und dort, wo die Niederschläge noch reichlicher fallen, sind manche von ihnen sogar natürlichen Ursprungs. Im Bergischen aber hatte unsereiner bei ihrer Entstehung stets die Hand im Spiel.

 

Übrigens trifft es die Bezeichnung Moor nicht ganz. Richtiger muss es Quellsümpfe heißen, Quellsümpfe, die sich über tonhaltigen und dichten Böden bildeten. Auf dem nährstoffarmen Wurzelgrund konnten nur Moorbirken und allenfalls Roterlen gedeihen, dafür wucherten die Torfmoose umso üppiger. Sie waren früher eine sehr gesuchte Einstreu in den Ställen. So lagen diese Hangpartien oft nackt und bloß. Aber jetzt boten sie Pflanzenarten eine Chance, die andernorts gegen das wüchsigere Grüns immer den Kürzeren gezogen hätten.

 

Die rare Moorlilie konnte auf den Hangmooren üppige Bestände bilden. Das Gelb ihrer Blütenähre hat etwas geradezu Triumphales. Lebhafte Akzente setzen ebenfalls die blendend weißen Schöpfe des Schmalblättrigen Wollgrases. Kaum ein Naturphotograph kann der Verlockung widerstehen, diese Fruchtstände effektvoll ins Gegenlicht zu setzen.

 

Aber die bergischen Hangmoore beherbergen auch unauffälligere Arten, die deshalb nicht weniger bemerkenswert sind. Zu ihnen gehört der höchst gefährdete Sumpf-Bärlapp. Die kleine, moosähnliche Sporenpflanze verweigert jeden Hinweis darauf, um wie vieles bessere Tage ihre Vorfahren vor gut 300 Millionen Jahren gesehen haben. In den Steinkohlewäldern wuchsen sie als dreißig bis vierzig Meter hohe Bäume.

 

Gerade der Sumpf-Bärlapp hat sich wieder erfreulich ausgebreitet, eine keineswegs selbstverständliche Renaissance. Denn er zählte zu den ersten Opfern, als die Hangmoore planmäßig entwässert und mit Nadelbäumen zugepflanzt wurden.

 

Es dauerte seine Zeit, bis die Klagelieder der Naturschützer Gehör fanden. Die Rettung der Hangmoore fordert ja nicht nur ein entschiedenes Umdenken, sondern auch entschiedenes Handeln. Entwässerungsgräben müssen geschlossen, Fichten gefällt, viel Buschwerk muss gerodet werden. Und der dicht verfilzten Grasschicht kommt manchmal nur ein Bagger bei. Später halten dann die Schafe den Rasen kurz und das Hangmoor offen.

 

So wurde der Lebensraum revitalisiert und verzeichnet sogar bescheidene Geländegewinne. Natürlich sind Hangmoore immer nur vereinzelte Steinchen im Mosaik der Biotope. Aber solche von besonderer Strahlkraft.