



Möglicherweise war da jemand seiner Zeit weit voraus. Denn die Urkunde, in der Kölns Erzbischof Heribert dem Benediktinerkloster Deutz ein Viertel Königsforst schenkt, sie trägt das Datum vom 1. April 1003. Dieses Dokument ist eine Fälschung, die etwa 150 Jahre später entstand. Noch ein paar Jahrhunderte mehr gingen ins Land, bis der Aprilscherz zur Standartausrüstung aller Witzbolde gehören sollte.
Gut, das harte Wort Fälschung trifft es wahrscheinlich nicht ganz. Der Urkundentext ist wohl der Sache nach korrekt, deshalb sprechen die Historiker nur von Verfälschung oder viel hübscher gewunden von Verunechtung.
„Vulgo dicitur kuningesforst“, gemeinhin Königsforst genannt, heißt es dort. Damit steht dieser Wald bis heute einzig da: Unter den vielen Waldnamen hält allein der Königsforst einen wichtigen Aspekt früher Waldgeschichte gegenwärtig.
Seit der Frankenzeit gehörten die Wälder der Krone. Sie gingen aber unter den Ottonen und Saliern ins Eigentum der Reichskirchen über, um deren Stellung gegenüber den weltlichen Territorialherren zu stärken. So spricht viel dafür, dass Kaiser Otto der Große den Königsforst der Kölner Kirche überließ. Ihr stand Ottos Bruder Brun von 953 bis 965 als Erzbischof vor.
Forst war ursprünglich ein reiner Rechtsbegriff und galt für den umgrenzten Raum. Wer heute die Grenzen des Königsforsts umreißen will, hält sich an die Linien der großen Straßen: im Norden die A 4 und im Süden die A 3, im Westen der Mauspfad. Nur im Osten hat der Wald eine natürliche Grenze: Die Sülz.
So dauerhaft sich sein Name behauptet hat, so heftig waren die Veränderungen, die dem Wald selbst widerfuhren. Das betrifft nicht nur den Wechsel der Besitzverhältnisse, sondern auch seine Naturausstattung. Spätere Waldherren gaben sich redliche Mühe, den Königsforst zumindest partienweise in einen Nadelholzacker umzuwandeln. Die höchst eindrucksvollen (bodensauren) Eichenwälder hatten da einen schweren Stand.
Derzeit stehen hier 2518 ha Wald unter Naturschutz. Die forstliche Wiedergutmachung galt besonders den nasseren Gründen, allen voran den Bachauen. Aber auch das moorige Terrain wird sukzessive von Fichten befreit und nicht mehr entwässert. So können sich wieder Lebensräume entwickeln, die den Namen verdienen. Und apropos Bach: In einem Königsforster Fließgewässer überlebte der Edelkrebs, den seine eingeschleppten Verwandten andernorts an den Rand des Aussterbens brachten.
Ein aufschlussreiches Angebot macht der hiesige Bodenlehrpfad. Sein Erd-Reich umfasst ja ganz verschiedene Provinzen, liegt über den Sanden und Kiesen der Rhein-Mittelterrasse wie über dem massiven Gestein des Bergischen Lands. Der Bodenlehrpfad rückt in den Mittelpunkt, legt offen (und beschildert), was gewöhnlich nur mit Füßen getreten wird.
Das oberirdische Waldbild hat einschneidend geändert. Der Bodenlehrpfad lässt so tief, lässt bis dorthin blicken, wo sich selbst der Königsforst mehr oder weniger gleich blieb.