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Hier jagen auch die Skater -

Der Kottenforst

Das Jagdschloß des Kurfürsten Clemens August steht nicht mehr. Um 1760 erbaut, protzte diese „Herzogsfreude“ mit einer Front von satten 150 m. Die Zeitgenossen rühmten seine Architektur, obwohl der Bau nie ganz fertig wurde. Nun erinnert an das Prachtpalais nur noch ein Platzname im Bonner Stadtteil Röttgen.

 

 

Gleichwohl profitieren heutige Spaziergänger, profitieren vor allem die noch heutigeren Skater von seiner ehemaligen Existenz. Auf Herzogsfreude liefen jene breiten Parforcealleen sternförmig zu, die dem Kottenforst erhalten blieben. Auf ihnen sprengte der Kurfürst heran, wenn seine Jäger wieder mal einen besonders kapitalen Hirsch gestellt hatten, um das Tier höchstselbst zu erlegen.

 

 

Längst sind viele der historischen Jagdschneisen asphaltiert, und am Wochenende ist die stille Erholung passé. Überhaupt ist der Kottenforst ein Wald der Kontrastprogramme. Eine Autobahn schneidet ihn mitten durch, ihre Blechlawine reißt so gut wie nie ab. Aber dann gibt es eben auch die Waldidyllen mit dem vielstimmigen Vogelkonzert am Morgen - und der Möglichkeit, in der Abenddämmerung das groteske Hinterteil eines Dachses zu erblicken.

 

 

Der Kottenforst ist Laubwald. Zwar hat auch er seine Nadelholzäcker, doch drängt die Forstpartie hier Kiefern und Fichten zum Rückzug. Auf wasserzügigem Untergrund herrscht von Natur aus die Rotbuche vor, in den verbreiteten staunassen Böden wurzelt eine Eichen-Hainbuchengesellschaft. Zu ihr tritt als Besonderheit die Winterlinde, dies übrigens zur besonderen Freude der Imker. Sie haben im Kottenforst viele Bienenkörbe stationiert, weil die Winterlinde zweifach für Honigsegen sorgt. Einmal dank ihrer Blüten, dann aber auch dank ihres Läusebefalls. Diese Tierchen scheiden den so genannten Honigtau aus, der die Bienen selbst in blütenloser Zeit noch kräftig nährt.

 

 

Der knapp 4000 ha große Baumbestand ist einer der wenigen, die in der Ebene dem Siedlungsdruck standhielten. Zum Überleben dieses Walds haben die Besitzverhältnisse wesentlich beigetragen. Er gehörte dem König und der Abtei Siegburg, die ihn 1549 an den Kölner Erzbischof zurückgab. Eigentümer war seitdem immer der Landesherr oder irgendeine Spielart der öffentlichen Hand.

 

 

Nicht nur die Urkunden erzählen von seiner Geschichte, sondern auch der Wald selbst. Ins Auge fallen die Eichen mit stämmigem Stamm und ausladendem Kronendach. Heute könnte sich kein Baum mehr derart breit machen, dafür geht es in einem Hochwald viel zu gedrängt her. Aber diese Eichen stammen eben aus einer Zeit, als nur einigen Bäumen ein hohes Alter zugestanden wurde. Was nicht als künftiges Bauholz ausgeguckt worden war, fiel als Brennholz den 20-30jährigen Umtrieben zum Opfer. So hatten die wenigen Überlebenden in der Wipfelregion viel Platz, ohne sich groß zur Decke strecken zu müssen.

 

 

Viel zur Attraktivität des Kottenforsts tragen seine Feuchtgebiete bei. Von den kleinen Wasserflächen bis hin zu den Bruchwäldern sorgen sie für ein reiches Amphibienleben. Im Frühjahr dringt dann das Froschgequake besonders laut durch den Busch. Sozusagen als Generalbaß zum Gezwitscher der Vögel.