



‘Die Loreley bei Mondschein’ heißt das Gemälde des romantischen Nachzüglers Jacob Diezler im Stadtmuseum Bonn. Hoch über Rhein und Felsen tritt ein voller Mond ins Wolkenloch, das bewegte Wasser wirft sein Licht zurück. Im Vordergrund lässt ein Hebenetz am Senkhamen keinen Zweifel: Die Fischer hier warten auf den Lachs.
Diezlers Bild entstand 1843. Schon bald danach sollte der Strom zur Wasserstraße werden. Ein immer stärker begradigter, verbauter und verdreckter Rhein ließ den Lachs um 1950 aussterben. So verschwand er auch aus der Sieg und ihren Nebenflüssen, einst hatten sie als sehr gute Lachswasser gegolten.
Seine Lebensräume hatte der Salmonide verloren, seine Magie nicht. Als sich Anfang der 80er Jahre die Wasserqualität des großen Stroms besserte, konnte nur dieser Fisch das Leittier der ökologischen Erneuerung werden. Er faszinierte durch seine imposante Größe und durch seine spektakulären Wanderungen zwischen Süß- und Salzwasser. Die jungen Tiere machen sich auf ins Meer, setzen dort ihr fettes, zartrosa Fleisch an, um dann wieder in ihre Heimatgewässer zurückzukehren und dort für Nachwuchs zu sorgen.
Als die Wieder-, besser Neuansiedlung des Laches erwogen wurde, sprach alles für die Sieg als Pioniergewässer dieser Rückkehr. Hier wurden die ersten Jungtiere ausgesetzt – Fischereibiologen sind robuste Geburtshelfer und mit entsprechender Technik lassen sich Fische einigermaßen leicht erbrüten.
Schon am 30. November 1990 biss im Sieg-Nebenfluss Bröl einen kapitaler Lachs an, und ein Rauschen ging durch den Blätterwald: Es war der erste seiner Art seit dem Aussterben des Rheinstammes. Im Winter 1993/94 wurden in Bröl, Sieg und Agger erstmals Laichballen gesichtet, die eine natürliche Vermehrung anzeigten.
Inzwischen hat der Lachs etliche Flüsse neu erobert, so laicht er auch wieder in der Dhünn. Doch es bedurfte (und bedarf immer noch) vieler „Besatzmaßnahmen“ mit Lachsbrut, um der Natur unter die Arme zu greifen. Und erst allmählich dämmerte selbst den Fachleuten, welch hohe Ansprüche der Lachs an seine Kinderstuben und Jugendzimmer stellt. Für die stolze Summe von 12 Millionen Euro sollen nun an den Brölbächen noch bessere Lebensbedingungen für den Fisch erforscht und geschaffen werden.
Wenn jetzt auch noch die Fischer vor der niederländischen Küste keine Lachse mehr abfangen, könnte der edelste aller Flossenträger irgendwann wieder aus eigener Kraft den Rhein bevölkern. Nur wird in absehbarer Zeit kein Feinschmecker Gelegenheit haben, gleich dem großen Albertus Magnus von den köstlichen Lachsen aus dem großen Strom zu schwärmen.
1666 urteilte der Leonhard Baldner kurz und bündig: „Der Salm ist ein Herrenfisch und köstlich in der Speis.“ Auf dem berühmten Fischmarkt seiner Heimatstadt Straßburg erzielten Lachse die höchsten Preise und waren zunächst einmal den Tafeln der geistlichen und weltlichen Würdenträger vorbehalten. Womit auch die zählebigen Geschichten vom Gesinde-Überdruß widerlegt wären. Jedenfalls ist höchst unwahrscheinlich, dass irgendeine Herrschaft ihre Dienstboten drei bis viermal die Woche mit Lachs traktiert hätte.