



Die „Bergische Landwehr“ ist ein Begriff. Nur fällt sie unter das Generalthema Grenzsicherung, drängt sich demnach für die Geschichten der Verbundenheit nicht eben auf. Andererseits setzen Grenzen oft ein Widerspiel von Ausschluss und Einschluss in Gang. Doch der Reihe nach.
Die Bergische Landwehr war nicht aus Stein gebaut. So büßten ihre Zeugnisse mit der Zeit immer mehr Prägnanz ein und machen heute im Gelände wenig her. Dabei waren es einmal aufwendige Erdwerke, stets mit Wall und Graben, oft mit zweien oder gar dreien davon. Ihre ganze Abwehrkraft aber verdankte diese Landwehr einer lebendigen Wehr auf den Wallkronen. Hainbuchen bildeten ihr Gerüst, die Äste des ausschlagfreudigen Baums ließen sich zu einer dichten Wand verweben.
Jetzt mussten noch der wehrhafte Weißdorn hinzukommen und die sehr zudringliche Heckenrose mit ihren widerhakigen Stacheln. Dann wucherte hier eine grüne Barriere, die keinen Prinzen zum Durchdringen animiert hätte, zumal dahinter kein Dornröschen schlummerte. Die Landwehr mag nicht völlig undurchdringlich gewesen sein, aber in den fehdefreudigen Zeiten des Spätmittelalters doch hinderlich genug. Kleine Marodeurscharen überlegten sich zweimal, ob die Beute beim Plündern die Mühen der Überwindung lohnte.
Der wuchernde Aufbau ist heute bis auf wenige Hainbuchenstümpfe ganz verschwunden. Aber die Wälle und Gräben erleichtern es auch einem ungeübten Auge, Reste der Bergischen Landwehr in Wald und Flur zu erkennen.
Besonders im Wald. Aber nicht deshalb haben wir Radevormwald ausgeguckt, auch nicht nur deshalb, weil es hier einen Stadtteil namens Landwehr gibt. Sondern wegen seiner exponierten Lage. Sicher, auch die ist historisch, aber eben nicht so, dass sie sich aus der Gegenwart völlig verloren hätte. Immer noch ist Radevormwald eine Art Brückenkopf.
Die intensive Landwehrspurensuche wird um Radevormwald durch ein auffälliges Kartenbild belohnt. Wälle und Gräben umgriffen das heutige Stadtgebiet so markant, dass sich die Frage nach den Ursachen eines solchen Grenzverlaufs geradezu aufdrängt.
Die Schlacht bei Worringen 1288 sah die Grafen von Berg auf der Gewinnerseite, während Kurköln der große Verlierer war. Die Grafen hatten diese Gelegenheit genutzt, um das Land um Radevormwald dem Kölner Fürstbischof abzugewinnen, dann aber einige Mühe gehabt, es gegen die benachbarten Grafen von Mark nicht wieder einzubüßen: Auf provozierende Weise kragte das Radevormwalder Terrain ins Märkische vor.
Es gab hier also besonders gute Gründe für eine wehrhafte Grenze. Sie hat nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass Radevormwald für das Rheinland sozusagen gerettet wurde. Denn eigentlich und eher gehört die Gegend zu Westfalen. Insofern erzählt die hiesige Landwehr doch eine Geschichte der Verbundenheit.