



Vincenz Jacob von Zuccalmaglio (1810-1876) nannte sich nach seiner bergischen Heimat Montanus. Aber auch übers Bergische hinaus war er bekannt wie ein bunter Hund. Ein Hund obendrein, der nicht nur bellte, sondern auch biss. Insofern verwundert nicht, dass über ihn etliche Anekdoten im Umlauf sind.
Ebenfalls nur folgerichtig ist, dass sich eine dieser Geschichten um die Weihe des restaurierten Altenberger „Doms“ rankt: Vincenz hatte zur Rettung des Bauwerks erheblich beigetragen. Außerdem hatte er das hiesige Dankfest für König Friedrich Wilhelm IV. ausgerichtet, schließlich war die aufwendige Erneuerung der Kirche nur durch Staatsgelder ermöglicht worden.
Die Weihe 1847 fand denn auch in Gegenwart des Allerhöchsten Herrschers statt, überdies will die Anekdote wissen, dass die bayrischen Prinzen ebenfalls zugegen waren. Sie stießen gerade zur Gruppe um Friedrich Wilhelm und Zuccalmaglio, als sich der König über ordenstypische Unterschiede bei der Bauplatzwahl verbreitete. Im Fall der Zisterzienser und der Benediktiner gab es dazu einen Merkspruch, wie er sich so prägnant nur auf Latein formulieren lässt. Er besagte, dass die Zisterzienser in den Tälern, also „ad valles“ gesiedelt hätten, die Benediktiner dagegen auf den Bergen, also „ad“, doch hier stockte Majestät.
Flugs wollte Zuccalmaglio ihm mit der richtigen Vokabel zu Hilfe kommen, nach der Friedrich Wilhelm zu ringen schien. Gerade noch rechtzeitig gewahrte Vincenz den zornigen Blick des Königs und als Mann von rascher Auffassungsgabe wusste er das Mienenspiel sofort zu deuten. Geistesgegenwärtig ergänzte er den Herrscher, die Benediktiner hätten „ad – colles“, also auf den Hügeln, gebaut. Die Situation war grandios gerettet, der König, schon schwerster politischer Verwicklungen gewärtig, lächelte huldvoll.
Korrekt hätte es auf den Bergen, also „ad montes“ heißen müssen. Nur war der Bayernprinzen-Vater jener König Ludwig I., der sich eben eine heftige Staatskrise an den Hals hängte, weil er von seiner Mätresse nicht lassen wollte. Die nannte sich Lola Montez (*17.02.1821, Elisabeth Rosanna Gilbert), und lautlich unterschied sich der familiäre Künstlername um keinen Deut vom lateinischen „montes“.
Wie in Altenberg fehlte Ludwig auch zur Einweihung der Kölner Kathedrale 1848. Dabei stiftete er die so genannten Bayernfenster im Dom, und die setzen ihm eine Art Denkmal, das aller Ehren wert ist. Leider konnte sich der Wittelsbacher nicht mehr im Glanz der wundervollen Glasmalerei sonnen, weil ihn Lola Montez da schon die Krone gekostet hatte.
Am prominenten Dombaugegner Heinrich Heine aber war es, den Preußen- und den Bayern-König in diesem heiklen Punkt miteinander zu vergleichen. Aus Sicht des großen Spötters schneidet Ludwig entschieden besser ab als Friedrich Wilhelm: „Stammverwandter Hohenzoller / Sei dem Wittelsbach kein Groller. / Zürne nicht ob Lola Montez, / Selber habend nie gekonnt es.“ Bleibt anzumerken, dass es Ludwig auf stattliche neun legitime Nachkommen brachte, der Hohenzoller dagegen kinderlos starb.