Regionale BrückenschlägeZuccalmaglioVorgebirgeMauspfadWahner HeideMaulbeerbaumKönigsforstKottenforstLandwehrOrchideen BraunkohleMaifischHeinrich BöllBever TalsperreFischereimuseumMühlen links und rechts RheinDhünnGazette de CologneA. SchaaffhausenPeter Paul RubensBrüderstrasseRömerstrasseNutscheidHangmoore Bergisches LandStrundeD.H. LawrenceDrachenfelsPark Schloss GrachtVilla ParzivalFreies Land RheinbachRheinische BrunnenheiligeLutz Fritsch, StandortmitteMühlen und MüllerDie süße RübeKathedralenromantikJohann Nepomuk KapelleSchloss Falkenlust, EntenfangBedburger WerwolfAlter Friedhof BonnDer Dom und die LeitungH. Heine und die FlusslandschaftLachs in Sieg und BrölJohannesbrünnchen SeligenthalErzbischof AnnoPflanzenplastik Kölner-, Altenberger DomCassius und FlorentiusEin Pfarrer zu Besuch bei seiner JugendJüdisches Viertel KölnHeilige Stiege auf dem KreuzbergGuillaume Apollinaire im RheinlandMelbtalDoppelgrab OberkasselLola MontezDuffesbachHeisterbachRheinische WeltDie Rheinische Welt per SchiffDie Rheinische Welt per Bus

Leuchten am Verteilerkreis –

Lutz Fritsch verbindet Köln und Bonn

Natürlich grübelt niemand über eine Wortschöpfung wie Verteilerkreis, wenn er gerade mit Einfädeln beschäftigt ist. Außerdem hat das große Rund inzwischen jede Menge kleine gezeugt, die der Volkmund treffend Kreisel, also Kind vom Kreis, nennt, die offiziell aber Kreisverkehr heißen.

 

Die vollendete geometrische Figur am Autobahnende weiß wenig von dem Schrecken, wie er beispielsweise einen Wanderer überfällt, der gewahr wird, im Kreis zu laufen. Nein, ein Verteilerkreis nimmt auf oder entlässt, und diese Geste hat durchaus etwas Feierliches. Wenn jetzt noch mitten drin leuchtend rot eine 50 m hohe sagen wir der Einfachheit halber Stange steht, kann sich der Ort über seine Funktion hinaus geltend machen.

 

Die Arbeit von Lutz Fritsch hat den entschiedenen Vorteil des Unübersehbaren bei geringem Ablenkungspotenzial. Und da die gleiche Skulptur zwingenden Formats am Verteilerkreis Bonn wie am Verteilerkreis Köln steht, folgt der Hinweis auf die A 555 als älteste deutsche Autobahn auf dem Fuß. Sie wurde übrigens 1929-1932 gebaut, war also keineswegs eine „Straße des Führers“, wie immer noch gern kolportiert wird.

 

20 km war sie ursprünglich lang, die Pionierpiste einer schnellstmöglichen Verbindung für Kraftfahrzeuge. Der Schnelligkeit ist eigen, mit der Zeit auch den Raum schrumpfen zu lassen, unabhängig davon, wie sehr ein höheres Tempo zur höheren Konzentration auf die Strecke als solche zwingt. Gegen das Schrumpfen des Raums empfiehlt Lutz Fritsch den Blick in den Rückspiegel. Im Idealfall bleibt dort die eine Skulptur so lange gegenwärtig, bis die andere vorn wieder auftaucht.

 

Nun verfügen Autobahnen über eigene Möglichkeiten der Entschleunigung. Es gibt eine Philosophie des Staus, nur dass sie den unmittelbar Betroffenen meist an der Sitzfläche vorbei geht. Es gibt aber auch noch den Beifahrer. Wenigstens er hat die Lizenz, über den Straßenrand hinauszusehen. Er hat sogar die Freiheit, während der Fahrt die Gedanken des Künstlers zu seiner Zwillingsplastik nachzulesen. Ganz wie der gewissenhaft Kunstinteressierte vom alten Schlag, der sich mit aufgeblättertem Katalog in die Bilder einer Ausstellung vertieft.

 

Ob Köln als Vorort von Bonn gilt oder umgekehrt, ist eine Frage der lokalpatriotischen Perspektive. Die Region wächst ja in der Fläche so zweifellos zusammen, dass der kulturpessimistische Reflex gleich mit Bildern wie Einheitsbrei kommen kann. Insofern hat der Kirchturm durchaus etwas Segensreiches. Weniger die gleichnamige Politik. Wir lehnen uns einmal weit aus dem Fenster: Verbundenheit ist tätige Zuneigung. Nur so lassen sich die Kräfte bündeln; die Freude am Kirchturm des anderen stellt sich dann von selbst ein.

 

Oder die Freude an den Skulpturen von Lutz Fritsch. Sie stehen für eine Gemeinsamkeit, die das Gegenteil von Ununterscheidbarkeit ist. Zunächst aber bieten sie sich als Instrumente der Raumerkundung an, die im Kopf des Betrachters stattfindet.