



Im rechtsrheinischen Köln ist der Mauspfad gegenwärtig wie kein zweiter überlieferter Weg. Und wie selbstverständlich schreibt ihm die Heimatkunde ein sehr hohes Alter zu, gern mit dem Hinweis auf Gräberfelder respektive Hügelgräber, die sich längs der Straße reihten bis hinein in die Niederlande. - So viel Präsenz im Stadtbild wie in der Tradition lässt erwarten, dass auch die Geschichtsforscher dem Mauspfad ein besonderes Augenmerk gewidmet hätten.
Das ist nicht der Fall. Doch unter den Geschichten der Verbundenheit darf der Mauspfad schon deshalb nicht fehlen, weil er ab Troisdorf das Gebiet der Regionale durchmisst. Vor allem aber, weil er wenigstens abschnittsweise noch heute eine landschaftliche Leitlinie eindrucksvoll nachzieht, nämlich die Kante der Mittel- zur Niederterrasse des Rheins. Der Mauspfad verlief erhöht, mied also die Ebene, wo der Strom willkürlich seine Rinnen ziehen und selbst Wässerchen wie Fleh- oder Faulbach nach Belieben herumsumpfen konnten.
Sprechende Namen haben ihren eigenen Reiz. Nur gerät, wer ihnen nachforschen will, oft ins Ungewisse. Beim Mauspfad sind die Deutungen Legion, mutige Autoren wollen ihn sogar wörtlich nehmen. Die meisten einigten sich auf einen ursprünglichen Mautpfad (da klingt Mauspfad stark nach Verballhornung). Das Wort Maut in der Bedeutung Straßenzoll ist ja nicht nur bis heute geläufig, sondern auch recht früh etabliert.
Allerdings nicht im hiesigen Rheinland. Überdies verunsichert, dass alle Urkunden, also auch die frühesten, ihn stets als Mauspfad führen. Übrigens nennt das Dokument von 1289 (nicht 1288), dem die Ersterwähnung des Mauspfads einträchtig zugeschrieben wird, ihn gar nicht beim Namen. Demnach ist der älteste, nämlich 1296, bezeugte Mauspfad - ein Bonner.
Zweifel müssen auch am „Uralter“ des Weges erlaubt sein. Manche Autoren wollen wissen, dass er schon im 7. vorchristlichen Jahrhundert begangen wurde, doch möglicherweise reicht er nur bis ins Mittelalter zurück.
Auf unserem Gebiet lässt sich sein Verlauf von Troisdorf über Köln (Wahn, Grengel, Brück usw.) bis auf Düsseldorfer Stadtgebiet verfolgen, manchen Weg gibt es, wie etwa in der Solinger Heide, der seit langem Mauspfad heißt. Sicher hat er beim Umgehen des Kölner Stapels eine Rolle gespielt. Aber so mäuschenstill werden die Ausweichler nicht gewesen sein, dass ihr heimliches Tun den Namen erklären würde.
Es lohnt also weiterhin, dem Mauspfad auf die Schliche zu kommen. Der Berichterstatter und Mauspfadnutzer nimmt sich das jedes Mal fest vor, spätestens wenn er auf Höhe von Gut Mielenforst ist. Hier wirkt er besonders, dieser kleine Sprung in der Landschaft. Dem trefflichen Jürgen Becker (nicht dem Kabarettisten, sondern dem Dichter) verleiht er einen fast visionären Weitblick: „Sehen wir denn da nicht die Ardennen von der Höhe der Böschung vom Mauspfad?“