Regionale BrückenschlägeZuccalmaglioVorgebirgeMauspfadWahner HeideMaulbeerbaumKönigsforstKottenforstLandwehrOrchideen BraunkohleMaifischHeinrich BöllBever TalsperreFischereimuseumMühlen links und rechts RheinDhünnGazette de CologneA. SchaaffhausenPeter Paul RubensBrüderstrasseRömerstrasseNutscheidHangmoore Bergisches LandStrundeD.H. LawrenceDrachenfelsPark Schloss GrachtVilla ParzivalFreies Land RheinbachRheinische BrunnenheiligeLutz Fritsch, StandortmitteMühlen und MüllerDie süße RübeKathedralenromantikJohann Nepomuk KapelleSchloss Falkenlust, EntenfangBedburger WerwolfAlter Friedhof BonnDer Dom und die LeitungH. Heine und die FlusslandschaftLachs in Sieg und BrölJohannesbrünnchen SeligenthalErzbischof AnnoPflanzenplastik Kölner-, Altenberger DomCassius und FlorentiusEin Pfarrer zu Besuch bei seiner JugendJüdisches Viertel KölnHeilige Stiege auf dem KreuzbergGuillaume Apollinaire im RheinlandMelbtalDoppelgrab OberkasselLola MontezDuffesbachHeisterbachRheinische WeltDie Rheinische Welt per SchiffDie Rheinische Welt per Bus

Das Melbtal als Weltmal –

Luigi Pirandello in Bonn

La Croce accanto a Venere. Filosofi, i Tedeschi! (Luigi Pirandello, Melbthal)    

„Sie sagte: ‚Die Melb mündet / in den Rhein, weißt du? Gegenüber / hast du den Venusberg / und den Kreuzberg. / Keiner von beiden verlocke dich! / Hier das Feuer und dort die Asche: / das Kreuz neben Venus. / Philosophen, diese Deutschen!’“

 

Hier der Venus-, dort der Kreuzberg. Warum nur haben sich die einheimischen Autoren diese Gegenstellung entgehen lassen? Doch wohl nicht, weil sie gewusst hätten, dass Venus eigentlich Venn, also mehr oder weniger Sumpf, bedeutet und aus dem Feuchtgebiet erst später die Liebesgöttin wurde. Heute will das sprachliche Widerspiel weniger eingehen. Venusberg steht für den gewaltigen Krankenhauskomplex der Bonner Medizinischen Fakultät, und der ist alles andere als die Schwarzwaldklinik.

 

Bleiben wir beim Verfasser des Gedichts. Luigi Pirandello (1867-1936) gehört zu den Großmeistern der Weltliteratur. 1934 bekam er den einschlägigen Nobelpreis, seine Stücke behaupten sich noch immer auf den Spielplänen der europäischen Theater. Nach Bonn kam Pirandello allerdings als unbeschriebenes Blatt, und er kam nicht der Poesie halber, sondern wegen der Wissenschaft. Die hiesige Romanistik hatte einen so ausgezeichneten Ruf, dass der Italiener hier promoviert werden wollte. Und es war keine literatur-, sondern eine sprachwissenschaftliche Arbeit, die ihm 1891 den Doktortitel eintrug, eine über den Dialekt seiner sizilianischen Heimat. Daran erinnert die Gedenktafel im Bonner Romanistischen Seminar.

 

Das lyrische Ich des Gedichts aber spaziert durchs Melbtal, dessen namengebender Wasserlauf sich vielleicht schon damals nur verrohrt in den Rhein ergoss. Und dieses Ich ist nicht allein, seine versteht sich weibliche Begleitung führt das Wort. Links und rechts die zwei Anhöhen, die beiden Weltkinder in der Mitte, eben im Melbtal. Und die schelmische Ermahnung, sich von keinem der beiden Berge verlocken zu lassen, zielt entschieden mehr auf den Venusberg. Im Venusberg ging schließlich schon einmal ein Dichter verloren, mit durchaus verhängnisvollen Folgen für sein Seelenheil.

 

Der Leser kann sich ganz auf das Spiel mit den Namen einlassen. Er muss nicht wissen, dass der Kreuzberg-Kirche die prachtvolle Barockarchitektur der Heiligen Stiege vorgesetzt ist, einer Stiege, deren Stufen aufwärts nur knieend genommen werden durften. Er muss nicht wissen, dass die Außenseiter unter den Flurnamenforschern ein ursprüngliches Venus für den anderen Berg doch für möglich halten.

 

Heute lauern die Verlockungen, auf die Pirandellos Bonner Kind anspielt, eher im Tal selbst, nämlich im Melbbad. Aber ein schöner Einfall bleibt des Dichters „hier das Feuer und dort die Asche“ doch. Und wenigstens Heinrich Heine hätte früher darauf kommen müssen.