



Es ist noch nicht lange her, da wurde dem Rotbach bei Erftstadt-Niederberg ein Rückhaltebecken auf die Aue gedrückt. Zum Ausgleich durfte er sich oberhalb der Betonwanne wieder ganz nach Art der Bäche tummeln. Vor so viel natürliche Bewegungsfreiheit aber hatten die Archäologen eine gründliche Untersuchung des Talbodens gesetzt. Sie fanden wie erwartet Reste einer römischen Hofanlage und ganz unerwartet die Überbleibsel einer etwa 833 errichteten Wassermühle, der bisher ältesten des Rheinlands.
Auch sie mahlte Getreide. Nur dürfen über den Getreide- die vielen anderen Mühlen nicht vergessen werden, bei denen ein Wasserrad für Energie sorgte. Es drehte sich für Öl- ebenso wie für Knochenmühlen, für Loh- und Walk-, Papier- und Pulvermühlen. Es gab – schon in der Antike – Sägemühlen, seit dem späten Mittelalter die Hammermühlen, meist Eisenhämmer genannt.
Extremwetterlagen allerdings konnten lästig fallen. In harten Wintern stand das Mühlrad ebenso still wie in trockenen Sommern, vom Hochwasser gar nicht zu reden. Eine bessere Kontrolle der Wasserzufuhr ermöglichten die Ableitungen vom Hauptgewässer, ob nun als veritable Mühlbäche oder nur als hölzerne Gerinne für die einzelne Mühle. Später erlaubten auch die Mühlteiche eine bessere Vorratshaltung.
Doch der beste Schutz gegen die Launen der Natur nützte wenig, wenn der menschliche Faktor ins Spiel kam. „Das Wasser abgraben“, diese Wendung war unter Müllern nicht nur bildlich gemeint. Die Schwächung der Wasserkraft konnte zu erbitterten Auseinandersetzungen führen. Und an manchen Bachläufen drängten sich die Mühlen derart, dass beim Ausbleiben des Wassers keine Niedertracht im Spiel sein musste. Die Mühlendichte an der Strunde war sprichwörtlich, auch der Kuchenheimer Erftmühlenbach hatte einen rekordverdächtigen Besatz.
Im Flachland kam das Wasser oft unmittelbar aus dem Fluss, etwa auch aus der Erft. Noch direkter nutzten die Rheinmühlen den Energieträger und schon mittelalterliche Tafelbilder setzen diese Wassermühlen vors berühmte Kölner Stadtpanorama. Sie arbeiteten mit der fließenden Welle - und mit lange unterschätzter Wirksamkeit: Das Mehl für sämtliche Kölner Bäckereien wurde nur hier gemahlen.
Die Mühle, besonders die Wasser- als Getreidemühle hat seit Mitte des 19. Jahrhunderts einen Nostalgiebonus. Aber sie war historisch gesehen die erste Maschine überhaupt, wenn irgendwer, dann ist sie der Brückenkopf ins Industriezeitalter. Vom Erscheinungsbild her erinnert der museale Oelchenshammer (Engelskirchen-Bickenbach) an diesen Zusammenhang, einige Betriebe im bergischen Leppetal halten heute noch die Tradition Werkmühlen gegenwärtig, die hier seit alters ansässig sind.
Im Übrigen gingen viele Werk- oder Getreidemühlen dem Landschaftsbild verloren. In der Gymnicher sollen alle Erkenntnisse über die rheinischen Mühlen gesammelt werden. Noch ehrgeiziger ist das Vorhaben, sie selbst zu erhalten.