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Übel beleumundet –

Von Mühlen und Müllern

Vielen grauste schon, wenn sie nur das Klappern hörten. Schaurige Geschichten zuhauf liefen über Wassermühlen um; selbst in einer der Heisterbacher Zisterzienser spukte es.

 

Bis sich ein furchtloser Müllerbursche nächtens auf die Lauer legte. Schlag zwölf schlichen schwarze Katzen herzu, und ihr menschliches Sprechen erwies sie als Hexen. Der Jüngling aber nahm das griffbereite Beil und schlug ihnen die Vorderfüße ab. Bei Tageslicht verrieten die fehlenden Hände so mancher Dollendorferin, dass sie mit dem Teufel im Bund stand.

 

A propos Teufel. Einst hockten in der Bruchhauser Mühle bei (Kerpen-)Dürscheid ein paar Männer beim Kartenspiel. Als ein vornehmer Fremder eintrat und bescheiden ums Mittun bat, machten sie ihm bereitwillig Platz. Doch dann bückte sich einer nach der gefallenen Herz-Dame, und unterm Tisch fiel sein Blick auf den Pferdefuß des Gastes. Mit knapper Mühe und dank der Assistenz eines Klosterbruders entkam die Runde den Fängen des Bösen.

 

Keine Mühle, aber ein Müller ist schuld an der arg verkürzten Strunde. Er streckte die winzige Kuh einer Zwergenfrau nieder, weil das Tier auf seiner Wiese weidete. Daraufhin tat die Zwergin einen Fluch, kraft dessen der Bach erst weiter talabwärts entsprang. So hatte der Müller das Nachsehen, denn er saß fortan auf dem Trocknen.

 

Kurz, einem Müller war alles zuzutrauen. Der von (Windeck-)Opperzau mahlte sogar zur Gottesdienstzeit, was Wunder, wenn ihn der Allmächtige samt seiner Mühle absaufen ließ. Von sehr weltlicher Ohnmacht zeugt das Verhalten des Herrn auf der Löwenburg. Er wollte den Betreiber seiner Rhein-Schiffsmühlen wegen Unterschlagung aufknüpfen lassen, besann sich aber schließlich, wenn auch nicht eines Besseren. Denn unter dem Galgen schwor der Delinquent bei allen Heiligen, er kenne im weiten Umkreis keinen ehrlichen Mann seiner Profession. Da wollte der Löwenburger lieber den Lumpen behalten, den er kannte.

 

Oft gehörte eine Mühle dem Grundherrn. Seine Untertanen waren gezwungen, hier und nirgendwo anders mahlen zu lassen. Überdies ließ sich die Arbeit eines Müllers nur schwer kontrollieren, der Betrugsverdacht fiel da auf fruchtbaren Boden.

 

So gerieten die Müller fast zwangsläufig in Kontakt mit dem Satan. Was nicht von vornherein gegen sie sprechen muss. Auch Dombaumeistersagen handeln gern vom Teufelspakt. Und wie jener verfügte der Müller über handwerklich-technische Fähigkeiten, die das Misstrauen unbedarfterer Mitmenschen auf sich zog. Und auch die Wassermühle war dem Höllenfürsten eng verbunden, er galt sogar als ihr Erfinder. Wieder lässt sich gut erklären, warum Mühlen leicht in Verruf gerieten: Meist lagen sie außerhalb des Dorfes und waren so der sozialen Kontrolle entzogen.

 

Die Sagen und Geschichten von Müllern und Mühlen spiegeln demnach reale Verhältnisse wider. Erst die Romantik machte aus der Mühle einen Sehnsuchtsort nostalgisch gestimmter Zeitgenossen. Die Erzählungen geben ein getreueres Bild. Immer vorausgesetzt, man versteht sie zu lesen.