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Ein Schmuckstück auch in Zukunft -

Der Park von Schloss Gracht in Erftstadt-Liblar

Lange kein Regen und wieder ein heißer Tag. In der staubtrockenen Villegegend ist dieser Anblick doppelt willkommen: Die imposante Kulisse von Busch und Baum, über die zwei Turmenden eben hinauslugen. Das dichte Grün verspricht Schatten und die beiden Spitzen sogar ein kühles Lüftchen vom Wasser her.

 

1538 kam das Haus an die Familie Wolff Metternich zur Gracht. Es wurde zuletzt 1851 umgestaltet, hält aber immer noch den traditionellen rheinischen Adelssitz gegenwärtig. Sein zweiflügeliges Hauptschloss ist ein sehr ansehnlicher Bau, der in manchem an italienische Renaissancepaläste erinnert.

 

Schatten spendet der Park reichlich, und doch liegt sein Kernraum offen. Vor dem Nordtrakt des Hauptschlosses fluchtet er den Villehöhen zu, von der Flügelmitte aus markiert ein breiter Kiesweg die Hauptachse. Zwei Brunnen setzen an ihr die Akzente, das schlossnähere Wasserspiel bezeichnet das Zentrum der Anlage. Ihm assistieren vier Trauerschnurbäume, ihre tief herab gebogenen, dichtbelaubten Äste stellen eine Fontäne sehr viel glaubwürdiger dar als die dünnen Wasserstrahlen selbst.

 

Die Wegeführung, obwohl historisch mehr nicht ganz getreu, fügt sich heute wieder den Maßgaben einer barocken Anlage. Nach Abbildungen aus dem frühen 18. Jahrhundert herrschte über dieses Grün der Architekt. Der alte Park von Gracht, seit 1683 entstanden, gilt als frühestes Beispiel französischer Gartenkunst im Rheinland. 

 

Die eindrucksvollsten Zeugen barocker Gartenlust sind die Heckenalleen auf den Flanken des Rasenparterres. Für den Aufbau solcher Wände kam eigentlich nur Hainbuche in Frage. Der Baum stand damals hoch im Kurs, weil er sich dem Diktat der Gartenschere so willig fügte. Wenn die erwähnten Zeichnungen nicht idealisieren, strebten die Hainbuchenhecken äußerst schlank in die Höhe. Barocke Gärtner müssen wahre Trimmgenies gewesen sein.

 

Ende des 18. Jahrhunderts waren die hiesigen Metterniche der gezirkelten Natur müde. Weite Teile des Schlossparks wandelten ihr Aussehen. Doch gab es schon damals keinen radikalen Wechsel. Ganz offensichtlich wollte der ungenannte Planer die ganz unterschiedlichen Physiognomien von Architektur- und Landschaftsgarten miteinander versöhnen. Das wird am deutlichsten beim zweiten Brunnen, den ein Wallgraben halbkreisförmig umgreift. Obwohl sie Elemente des Landschaftsgartens sind, bilden hier zwei Mammutbaumpaare den effektvollen Schlusspunkt der barocken Strukturen.

 

Sonst finden sich im Park prächtige Eschen oder Buchen, großer Beliebtheit erfreuten sich offenbar die Trauerformen. Selbst einigen Eichen wurde der melancholische Wuchs anerzogen, womit sie heute nur den Zustand mancher Artgenossen kommentieren. Das Absinken des Grundwasserspiegels hat bei diesen Veteranen zur Wipfeldürre geführt.

 

Derzeit beherbergt das Schloss eine Managementschule, und des Parks nimmt sich eine private Initiative an. Es wird eine ebenso mühe- wie anspruchsvolle Aufgabe bleiben, dem Grachter Garten seine ganze Anmut zurückzugeben. Aber er lohnt jede Mühe.