



Wenn Peter Paul Rubens 1637 einen Auftrag annahm, durfte sich der Auftraggeber geehrt fühlen. Dem Kölner Handelshaus Jabach entgegen, dass der geplante Standort des Werks, ja die Stadt überhaupt den gefeierten Maler heimatlich berührte. „Ich habe eine große Liebe für Köln, wo ich bis zu meinem zehnten Lebensjahr erzogen wurde“, hatte er in seiner Zusage geschrieben.
Diese Bestellung beim teuersten Künstler Europas sollte das Andenken des jüngst verstorbenen Eberhard III. Jabach (1567-1636) ehren und den Hochaltar der Pfarrkirche St. Peter schmücken. Zu deren Sprengel gehörte die Sternengasse, dort lag der Hof des Patriziergeschlechts, das die Nachwelt einmal „Fugger des Westens“ nennen würde.
In der Sternengasse hatte auch der junge Peter Paul Rubens gewohnt. Zur Welt allerdings war er nicht in Köln gekommen. Und wahrscheinlich wurde er nie über seinen wahren Geburtsort Siegen aufgeklärt. Jedenfalls hätte er triftige Gründe gehabt, von Siegen wenig Aufhebens zu machen ...
Vater Jan Rubens, Antwerpener Stadtschöffe, war 1568 nach Köln ausgewichen, weil er als mutmaßlicher Calvinist an der Schelde um sein Leben fürchten musste. Der angesehene Anwalt stand jetzt Anna von Sachsen zur Seite, der Frau Wilhelms I. von Oranien. Als „Vater der Niederlande“ in die Geschichtsbücher eingegangen, sah er sich seiner Gattin weniger verpflichtet. Und bis heute ist nicht endgültig geklärt, ob Jan Rubens mit ihr eine Affäre hatte oder ob ihn Wilhelm des Ehebruchs nur bezichtigte, um sich Annas zu entledigen.
Jan Rubens wurde zunächst zum Tod verurteilt, dann zu einer Art Hausarrest in Siegen begnadigt. Spätestens jetzt haben die Biographen Gelegenheit, das hohe Lied der Gattenliebe anzustimmen: Unbeirrt stand Maria Pypelincx an der Seite ihres Mannes. Sie kam mit den Kindern nach Siegen, hier wurde Peter Paul Ende Juni 1577 geboren.
Ein Jahr später konnte die Familie nach Köln zurückkehren. 1587 starb Jan, sein Epitaph blieb in St. Peter erhalten. Die Witwe Marie kehrte mit ihren Kindern nach Antwerpen zurück, wo das Leben des Sohnes den bekannt glänzenden Verlauf nahm.
Ob der Meister auch an Vater Jan dachte, als er die ‚Kreuzigung Petri’ für St. Peter schuf? Das Gemälde kam erst nach dem Tod nach Köln, es zählt zu den besten Werken des späten Rubens. Nichts gibt die Überlegtheit des Bildaufbaus der krassen Dramatik des Geschehens nach, im eindringlichsten Gegensatz stehen die Fratzen der Henker zur Lichtgestalt des kopfüber Gekreuzigten. Seine weit geöffneten Augen suchen den Blick des Betrachters.
Nicht zuletzt lässt sich diese ‚Kreuzigung Petri’ als gegenreformatorisches Bekenntnis lesen: Der Papstmantel am rechten unteren Bildrand macht Petrus zum Begründer der allgemeinen katholischen Kirche. An ihr hat auch Köln - im Gegensatz zu fast allen anderen freien Reichsstädten - festgehalten.