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Steinmetze mit grünem Daumen –

Pflanzenplastik im Kölner und Altenberger Dom

Gemeinsamkeiten müssen nicht zwangsläufig ins Auge fallen. Immerhin ein Fernglas kann helfen, wenn sie sich den Blicken zu entziehen drohen. Wie etwa die steinerne Flora im Kölner und im Altenberger Dom. Was gotische Steinmetze hier zum Blühen, Grünen und Fruchten brachten, ist jede Nackenstarre wert.

 

Mit den Blättern hatte es ihre Zunft schon sehr lange. Und offenbar drängt sich der Vergleich von Stamm und Stütze so sehr auf, dass er immer wieder gezogen worden ist. Auf dieser Basis ähnelt das Kopfstück einer Säule oder eines Pfeilers ziemlich folgerichtig der Baumkrone, die zu belauben nahe liegt.

 

Aber während der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts taten die Steinmetze doch ein Übriges. In der Kölner Kathedrale wie zu Altenberg wuchert Pflanzliches jetzt besonders natürlich, und das in der Tat weit oder doch weiter oben. Schon weil es auch um Feinheiten geht, schadet das Fernglas nicht.

 

Allerdings: Bei genauerem Hinsehen kommen dem Pflanzenkenner Zweifel. Auf den ersten Blick ganz naturgetreu, zeigen etliche Blätter doch Umrisse, die sich der eindeutigen Bestimmung entziehen. Sicher, ob dieses Laubwerk nun zu einer Stiel- oder einer Traubeneiche gehört, ob eine Fünfzipfligkeit für ein Ahorn- oder doch eher für ein Hahnenfußblatt spricht, darüber sollen sich die Leute vom Fach den Kopf zerbrechen. Aber ob Hopfen- oder Weinlaub, das ist - jedenfalls im Hinblick auf Gersten- oder Rebensaft - keineswegs Jacke wie Hose.

 

Nun ließe sich einwenden, der Weinstock sei ein derart geläufiges christliches Sinnbild, und da könne ein Steinmetz schon mal fünf gerade sein lassen, ohnehin beseitige eine hinzugesetzte Traube jeden Zweifel. Aber in Köln wie in Altenberg gibt es doch Bildwerke, die das Weinlaub erstaunlich genau treffen, das gilt gleichfalls für manche Hopfenplastik.

 

Das Konterfei zwei weiterer Arten hat hier wie dort Lehrbuchqualität: Efeu und – Ilex. Das Auftauchen der Stechpalme überrascht insofern, als sie keineswegs zu den approbierten Pflanzensymbolen gehört.

 

Damals hatte das gezackte, ebenso immer- wie glänzendgrüne Ilexblatt seine große Karriere als Schmuckmotiv noch vor sich. Diese Karriere ist ein Indiz dafür, dass auch den Steinmetzen der Schmuckwert letztlich wichtiger war als die botanische Exaktheit. Aber ein Vergleich mit der steinernen Flora früherer oder späterer Perioden zeigt doch ihr starkes Bemühen um mehr Naturtreue. Nach 1280 war das Blattwerk dann wieder, was es schon vor 1250 gewesen war: bloßes Ornament.

 

Wenigstens der gute Schluss soll einer Blüte vorbehalten sein, nämlich der wunderbar getroffenen Narzissenblüte im Schlussstein des Altenberger Hochchors. Schon früh hat es diese Osterglocke zur Ehre der Gärten gebracht.