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Strunzen mit der Strunde –

Nur haarscharf kein Besinnungsaufsatz

Ein wenig Augenreiben muss erlaubt sein. Schließlich wurde der Strunde lange Zeit aufs Übelste zugesetzt, weder heimatkundlicher Biedersinn noch die Brandreden der Umweltschützer konnten daran etwas ändern. Aber nun trägt eine Woge der Sympathie diesen Wasserlauf, und keinem gönnen wir die Zuwendung mehr.

 

Vielleicht war es sogar ein Industriedenkmal, das den Gesinnungswandel mit anstoßen half. Die ehemalige Papiermühle Alte Dombach steht für das Produkt, dem die Strunde schon an ihrem Oberlauf schwersten Tribut zollen musste. Plumpe Schmeicheleien wie die vom „fleißigsten Bach Deutschlands“ waren kein Ersatz für seinen miserablen Zustand.

 

Den großen Auftritt verdankt die Strunde dem klüftigen Gestein der Paffrather Kalkmulde. Während hierzulande die meisten Bäche genau genommen nicht entspringen, sondern im sumpfigen Gelände zusammensickern und erst später Gestalt annehmen, schöpft die Strunde aus einem veritablen Quelltopf. Der triumphale Beginn zeigt, dass ihr Nass unterirdisch schon einen längeren Weg gegangen sein muss.

 

Von ihren vielen Mühlen ist zu Recht immer wieder die Rede, die vielen Herrensitze längs der Strunde sollten darüber nicht vergessen werden. Die Johanniter-Kommende knapp unterhalb der Quelle ist da ein fast programmatischer Auftakt, sicher auch in Verbindung mit der zugehörigen Mühle. In der Ebene vertrat ihr Nass den Felsen. Wie die steile Höhe kam es sowohl der Verteidigung einer Burg zugute als auch ihrem repräsentativen Erscheinungsbild – dank des Wasserspiegels.

 

Auf Kölner Stadtgebiet Haus Herl ist das älteste genannte, aber auch der Thurner Hof, die Isenburg und Iddelsfeld verdienen Erwähnung, Iddelsfeld vor allem, weil dort seit 1413 die Bachgrafen residierten. Sie wachten über die kontrollierte Nutzung der Strunde. Ihnen unterstand das Gremium der (17) Bachgeschworenen, und selbstverständlich gab es auch ein Bachgericht. Es bestrafte nicht nur Müller, die ihren Konkurrenten den Energieträger abgruben, sondern auch Wiesenbesitzer, die mit zu viel Strunde ihr Grasland wässerten.

 

Eine schöne Anekdote berichtet von der Reverenz an den Rhein, zu der es bei jedem Wechsel des Bachgrafen gekommen sein soll. Sie ist auf einem Notgeldschein festgehalten: „Der Bachgraf reitet den Bach entlang, / Ihm folgen die Erben mit Sang und Klang. / Er will neuem sein Recht erkaufen, / die Strunde in den Rhein zu traufen.“

 

Die Verse spielen auf die viel beraunte Mündung der Strunde in den Rhein an, der heute eine ganz prosaische in die Kanalisation vorgeschaltet ist. Bis vor kurzem hatte die Strunde eben nur eins zu tun: ihre Schuldigkeit. Die Abkehr von ihrer brutalen Indienstnahme, die Hinwendung zum Gewässer wird keine durchgängige Bachidylle ermöglichen. Aber als eine Art Wiedergutmachung kann sie doch gelten. Selbst wenn hier mehr Schilder- als Auenwald entstehen sollte.