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Villa Parzival –

Karl Simrocks Refugium am Honnefer Menzenberg

Die romantische Kulisse öffnet sich ein wenig talaufwärts. Dort, wo der Weg seine Asphaltdecke abzustreifen beginnt, bilden Bäume und Sträucher eine fast geschlossene Laubkuppel. Aus fast geheimnisvollem Dämmer weht Waldeskühle den Wanderer an.

 

Aber der lässt das Siebengebirge heute auf sich beruhen. Er sucht das Haus Nr. 9 am Hang des Bad Honnefer Menzenbergs. ‚Villa Parzival’ steht über dem Türsturz. Auch ohne die Initialen K. S. kündet dieser Name von seinem Erbauer, dem Bonner Dichter-Germanisten Karl Simrock (28.08.1802-1876).

 

Hier übertrug er das mittelalterliche Poem ins Hochdeutsche, nachdem er schon 1827 eine Übersetzung des Nibelungenlieds veröffentlicht hatte. Sie machte ihn populär, bis 1880 erlebte das Werk nicht weniger als 40 Auflagen. Aber Simrock dichtete auch selbst, und seine Rheinsagen überlebten in der einen oder anderen Form bis heute.

 

1853 wurde er ordentlicher Professor für deutsches Sprache und Literatur an der Universität Bonn. Als Übersetzer sozusagen an der Quelle, verflocht er mit den Alten Texten seine private Mythologie, so wollte er in der Gestalt eines Dietrich von Bern auch einen Dietrich von Bonn erkennen.

 

Mit dem Menzenberg aber verbindet Karl Simrock mehr als die Literatur. Wenn er von der Acherstraße in Bonn hinauskam, dann kümmerte er sich auch um sein Weingut. 1833 hatte er das Anwesen seiner Schwester Elisabeth abgekauft, der es wiederum aus dem Erbe von Vater Nikolaus zugefallen war. Und Karl Simrock wäre nicht Karl Simrock gewesen, hätte er seinem Wein die höheren literarisch-mythologische Weihen vorenthalten. ‚Menzenberger Eckenblut’ nannte er sein Gewächs, nach dem Riesen Ecke, der gegen Simrocks Helden Dietrich von Bern gleich Bonn sein Leben verlor. So reimte er fürs Flaschenetikett: „Held Dietrich schlug Herrn Ecken zu Tod, den kühnen Mann, / Drum lassen wir uns schmecken, / Das Blut, das ihm entrann.“

 

Natürlich sprach sich der Weinbergbesitz unter seinen Kollegen herum, und manche folgten womöglich allzu arglos Simrocks Einladung nach Menzenberg. Aber Jacob Grimm zum Beispiel hat zweifellos damit gerechnet, dass er hier als Erntehelfer gefragt sein könnte – und kam trotzdem immer wieder.

 

Heute beginnt an der ‚Villa Parzival’ der Literarische Simrock-Freiligrath-Weg nach Unkel. Mit Simrock ehrt er namentlich den Dichter Ferdinand Freiligrath (1810-1876), der 1840/41 in Unkel wohnte und noch heute als „Retter des Rolandsbogens“ gefeiert wird. Beider Freundschaft gründete damals in ihrer gemeinsamen Begeisterung für die Rheinromantik.

 

Vielleicht verhilft Freiligraths 200. Geburtstag auch seinem Werk zu einer Art Renaissance. Für den Menzenberger Weinberg steht keine Wiederbelebung zu erwarten. Zwar zeichnen sich im Hang hinter dem Haus noch die Terrassen ab, auch rankt noch eine Rebe im Garten, aber die Stöcke aus Simrocks Zeit dürften der Reblaus zum Opfer gefallen sein. Immerhin erlaubt der Name Eckenblut den Schluss, dass sie rote Trauben trugen.