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Das Vorgebirge -

Eine Sympathieerklärung

Es ist eine lange Geschichte. Gut, eine Geschichte ist es nicht, aber es hat eine: Die vielen Jahre von Köln nach Bonn oder umgekehrt, meist mit dem Zug. Hoffentlich drängle ich nur innerlich, aber wie mancher andere will ich ans Fenster. Und seitdem es die doppelstöckigen Wagen gibt, möglichst in der oberen Etage.

 

Dabei schaut niemand immer nur hinaus, auf den täglichen oder fast täglichen, jedenfalls alltäglichen Fahrten. Mit iPod ist einem das Ohr sowieso näher als das Auge, wenn überhaupt, wird Zeitung gelesen, selten ein Buch, unter dessen Lektüre sich die nicht abgegoltene Müdigkeit hinter der Netzhaut sammelt.

 

So ist das Vorgebirge oft eine Sache des Augenwinkels. Das geht vielen ständigen Begleitern so, nicht nur denen jenseits einer Scheibe. Aber vielleicht stellt sich eines Tages beim Hinausschauen doch eine höhere Art von Gedankenverlorenheit ein. Plötzlich gewinnt der unablässige Streifen am Horizont Konturen, und das ist die Geburt einer Landschaft im Auge des Betrachters.

 

Nun macht dieses Gebirge nach Höhenmetern besonders wenig her, es lässt sich an keinem Mittel-, nicht einmal am Siebengebirge messen. Das hat immerhin sein Auf und Ab, wurde bedichtet und besungen von allen möglichen Zelebritäten der Romantik. Die Strecke zwischen Köln und Bonn langweilte sie, keine Ikonen lagen am Weg und die gespannte Erwartung war schon woanders.

 

Außerdem gehorcht das Vorgebirge nicht dem Apportierbefehl des großen Stroms: es hält mehr Distanz zum Rhein. Und es ist ohne Gipfel, die das stets leicht begriffsstutzige Auge braucht, um sich sagen zu können: Aha, ein Höhepunkt. Vielmehr ist es ein Höhenzug im Wortsinn, keineswegs nur in der Länge, sondern auch in der Breite.

 

Gelassen, aber stetig hebt es sich aus der Bucht heraus. Es bleibt Raum auf dem Hang für Wiesen und Hecken, helles und dunkles Grün. Das Gasthaus dort an der Kante kennen wir, dahinter stehen die Brombeerranken Spalier, der Wein aus den Früchten hat den schmissigen Namen Rebellenblut.

 

Aber selbst wenn der Hang ganz in den Schatten getaucht ist, wenn er fast einem waldesdunklen Hintergrund ähnelt, verliert das Vorgebirge seine Anmut nicht. Jetzt haben die Kirchtürme ihren Auftritt. Die Spitzen stechen gegen fast jeden Himmel, souverän gliedern sie das Band am Horizont. Von Spitze zu Spitze setzen sie ein menschliches Maß, schaffen einen sinnfälligen Rhythmus. 

 

Es lohnt sich, aus dem Zugfenster zu schauen. Die Trasse der Eisenbahn hält genau den richtigen Abstand zum Vorgebirge. Es reißt nicht ab vor lauter Geschwindigkeit, verschwimmt nicht vor lauter Ferne. Am Vorgebirge kann der Blick entlang gleiten. Und selbst einem bisschen Müdigkeit hält diese Augenweide stand.