Mit dem Kulturlandschaftsnetzwerk und seinem Instrumentarium – dem ,masterplan :grün’ – geht die Region Köln/Bonn innovative Wege, um die Zukunft ihrer Kulturlandschaften zu sichern und aktiv zu gestalten. Das Besondere dabei ist, dass der Ansatz aus der Region entwickelt und realisiert wird.
Regionales Denken und Handeln gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Dabei ist die Regionalisierung eine notwendige Antwort auf die Veränderungen, die die Globalisierung der Wirtschaft und die europäische Integration mit sich bringen. „Zukunft gemeinsam gestalten“ lautet das Credo des Kulturlandschaftsnetzwerkes der Region Köln/Bonn, als dessen „Leitgerüst“ für die zukünftige Entwicklung fungiert der ,masterplan :grün´. Er manifestiert den gemeinsamen Gestaltungswillen, den eine Region sich selbst gibt, und definiert eine auf Qualität ausgerichtete Zukunftsplanung.
Die entscheidende Frage lautet: Wohin wollen wir mit der Entwicklung unserer Kulturlandschaften? Dies ist in einer heterogenen Region wie der Region Köln/Bonn sowohl ein ästhetisches als auch ein planerisches und funktionsräumliches Thema. Auf einer Fläche von 4.000 Quadratkilometer ist diese Region so abwechslungsreich wie kaum eine andere Region in Nordrhein-Westfalen: ein großes natur- und kulturräumliches Erbe und zugleich eine schwierige planerische und gestalterische Herausforderung. Der Druck auf Landschaft ist vor allem im Umfeld der Ballungsräume nach wie vor sehr groß, im Köln/Bonner Raum steigt er weiterhin an. Der Freiraumplanung im urbanen und periurbanen Raum kommt daher eine entscheidende qualitative Bedeutung zu.
Vor diesem Hintergrund verfolgt der ,masterplan :grün’ die Aufgabe, die Qualitäten der regionalen Kulturlandschaften in der Region Köln/Bonn mittelfristig zu sichern und miteinander zu vernetzen. Auf Basis einer gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft können und sollen sich einzelne Planungen an der übergreifenden Idee eines Kulturlandschaftsnetzwerkes orientieren und dessen Idee in konkreten Projekten vor Ort realisieren. Dabei werden Kommunikation und Kooperation zu zentralen Begriffen für die erfolgreiche Umsetzung des Masterplans.
Eng verbunden mit der Idee des Masterplans ist das Leitbild der Bewahrung, behutsamen Weiterentwicklung und Vernetzung der Landschaften und Freiräume in der Region. Das Konzept zur Gestaltung dieser „Infrastruktur der Zukunft“ wird aus der Region heraus in Abstimmung mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Bezirksregierung Köln entwickelt: Es findet seinen Ausdruck in einem Netzwerk der Kulturlandschaften, das eine wichtige Grundlage für die zukünftige Qualifizierung von Projekten im Rahmen der Regionale 2010 ist.
Der Aufbau eines solchen Netzwerkes erfordert eine Konzentration auf bestimmte Landschaftsausschnitte und Korridore. Deren Auswahl wird durch die jeweils vorhandenen Qualitäten und Potenziale bestimmt. Ziel ist es, Landschaft erfahrbar zu machen und ihre Identitäten herauszustellen. Letztendlich geht es dabei immer auch um die Inwertsetzung von Heimat. Dabei gilt: Die Landschaft soll an sich nicht grundlegend verändert werden, vielmehr werden die charakteristischen Eigenschaften ihres Natur- und Kulturerbes herausgearbeitet und sichtbar gemacht. Das vertraute Bild von Landschaft bleibt erhalten und erweitert, indem es in einen regionalen Zusammenhang gebracht wird. Neben dem Aufzeigen regionaler Bezüge sowie der Vernetzung und Aufwertung einzelner Landschaftsräume werden das Alltägliche und das Besondere in der Region erkennbar und erlebbar.
Die Grundidee des Kulturlandschaftsnetzwerkes ist: Legt man das Natur- und Kulturerbe in der Region Köln/Bonn sinnbildlich übereinander, so entsteht ein Netzwerk, dessen wesentliche Elemente wertvolle Kulturlandschaftsbereiche, Freiraum- und Gewässernetze sowie unterschiedliche Kulturlandschaftskorridore sind. Dieses Netzwerk bildet die naturräumliche und kulturräumliche Ausstattung der Region in ihrer höchsten Verdichtung ab. Es entsteht eine kulturlandschaftliche Raumeinteilung, die die Besonderheiten der verschiedenen Großlandschaften in der Region abbildet und zueinander in Bezug setzt.
Gleichzeitig ist das Netzwerk der Kulturlandschaften jedoch mehr als eine Erfassung des Ist-Zustandes und der Genese von Landschaft. Es dient auch als Wegweiser für die zukünftige Entwicklung der Kulturlandschaft. Das Netzwerk der Kulturlandschaften muss daher als eine Art „Partitur“ zum künftigen Umgang mit Kulturlandschaft in der Region Köln/Bonn verstanden werden.
Der ,masterplan :grün’ ist ein dynamisches Instrumentarium. Er wird einschließlich seiner Fachbeiträge in den nächsten Jahren kontinuierlich fortgeschrieben. Dabei geht es auch darum, die Diskussion über Landschaftsqualität in die Regionalplanung und die kommunalen Flächennutzungsplanungen einzubringen und ein schlüssiges Gesamtbild für die Region zu erhalten. So schafft der ,masterplan :grün´ konkrete Anreize zur Zusammenarbeit über kommunale Grenzen sowie zur Kooperation zwischen privaten und halböffentlichen Akteuren und Kommunen. Er ermöglicht zugleich eine Berücksichtigung bei sowie eine Integration von laufenden Maßnahmen.
Der Arbeitsbereich :grün konzentriert sich vor allem auf die so genannte "blaugrüne Infrastruktur" der Region als räumliche Leitlinie für Projekte. Gemeint sind der Rhein und seine Nebenflüsse sowie Freiräume entlang dieser Korridore.
Geplant ist, ein Konzept zur Gestaltung dieser "blaugrünen" Infrastruktur aus der Region heraus zu entwickeln und regionale Zusammenhänge über einzelne Projekte hinweg zu verdeutlichen. Angestrebt wird, die Grünbereiche stärker zu vernetzen und somit neue Freiraumqualitäten für die Region zu schaffen - so, wie es einmal mit dem Kölner Grüngürtel begann.
Ein zusammenhängendes Grünnetz steigert sowohl das Erholungspotenzial der Landschaft als auch die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes. Ziel der Regionale 2010- Projekte ist hierbei vor allem die Sicherung und Aufwertung der Landschaft als Lebensgrundlage für die Menschen in der Region: eine "Infrastruktur der Zukunft".
Das Kulturlandschaftsnetzwerk der Region Köln/Bonn entwickelt sich sowohl flächenäßig als auch im Verbund der interkommunalen Zusammenarbeit zum tragenden "Fundament" der Regionale 2010. Mittlerweile arbeiten 13 Projektkonsortien in der Region an der gemeinschaftlichen Gestaltung und Stabilisierung der Landschaftsräume in der Region, wobei die Vielfalt und Eigenheiten der einzelnen Teilräume berücksichtigt werden. Hiermit verbunden ist die umfangreiche Zusammenführung von Einzelmaßnahmen und Sektoralplanungen in den konkreten Projektvorhaben.
Schon jetzt gestaltet sich die Zusammenarbeit als ein Prozess, der auf Langfristigkeit angelegt ist. Aus der Tradition der Freiraumplanung nach dem Vorbild des Kölner Grüngürtelsystems ist die strategische Bedeutung dieser interkommunalen Kooperationen in den Landschaftskorridoren in ihrer Reichweite in der Region Köln/Bonn erkannt. Mit diesen Planungen werden die Grundlagen für die langfristige Gestaltung der Landschaftsräume gelegt, die als "Generationenaufgabe" verstanden wird.

