Um die Erzvorkommen an Sieg, Heller, Dill und Lahn zu Zeiten der Hochindustrialisierung besser mit den Kohlevorkommen im Ruhrgebiet und den Hüttenwerken im Rheinland zu verknüpfen, wurde zwischen Ende der 1850er Jahre eine neue Eisenbahnstrecke zwischen Köln-Deutz und Gießen gebaut. Um in der hügeligen Landschaft des Siegerlandes einen Streckenverlauf mit geringen Steigungen zu ermöglichen, wurden erhebliche Eingriffe in die vorhandene Topografie vorgenommen. In Schladern wurde durch die Sprengung großer Felsmassen ein Stich hergestellt, durch den die Sieg verkürzt über einen Wasserfall abfließen konnte. Die ursprüngliche Siegschleife wurde stillgelegt und in Teilen für die Bahntrasse verschüttet. Heute stellt dieser Altarm der Sieg – das Krummauel - einen ökologisch wertvollen und unter Naturschutz stehenden Retentionsraum in unmittelbarer Nähe zum Gelände der ehemaligen Kabel Metall Werke und der Ortslage Schladern dar.
1894 siedelt sich die englische Metallwarenfabrik Elmores an diesem künstlichen Siegwasserfall an, um die enorme Wasserkraft zur Energieerzeugung für ihr Kabel Metall Werk zu nutzen. Im Jahr 1962 geht die Fabrik in den Besitz der Kabel und Metall Gutehoffnungshütte AG aus Hannover über, um die Anlage bis zu ihrer Schließung 1995 zu betreiben. Seit Einstellung der Produktion im Jahre 1995 ist die Wiederbelebung des Geländes regelmäßig Gegenstand öffentlicher Diskussionen gewesen. Bedingt durch häufiger Besitzerwechsel verfällt das Gelände zunehmend bzw. ist in Teilbereichen ungeordneten Nutzungen zugeführt worden.
Im Jahr 2004 erwirbt eine private Eigentümergemeinschaft, die „Energiepark am Wasserfall GmbH“, einen Teil des Geländes mit mehreren Aufbauten auf der nördlichen Seite des Wasserfalls. Hierdurch soll die Möglichkeit geschaffen werden, neue Ideen für eine standortgerechte Nutzung in Form eines Kultur- und Veranstaltungszentrums zu entwickeln, die einerseits der Tatsache Rechnung tragen, dass ein industrieller Wiederbesatz der Hallen schon aus wirtschaftlichen Gründen auszuschließen ist, andererseits aber die seitens der Eigentümer angedachten Teilprojekte im Bereich Kultur/Tourismus/Gastronomie genau die Defizite ansprechen, die von einem Großteil der Bevölkerung in der Gemeinde Windeck, aber auch von Besuchern beklagt werden.
Mit Unterstützung durch das Landesprogramm „Initiative ergreifen“ besteht die Zielsetzung der Eigentümer und der Gemeinde Windeck darin, das Projekt in nutzungsbezogener, betrieblich-organisatorischer und baulich-räumlicher Hinsicht zukunftsorientiert zu entwickeln und damit gleichzeitig ein wichtiges Element im Regionale-Projekt „Natur und Kultur quer zur Sieg“ zu bilden.
Aufgrund seiner Größe wird das Kabel Metall Gelände in aufeinander aufbauenden (Entwicklungs-)Stufen qualifiziert und umgesetzt. Als erster „Impuls“ und erster Umsetzungsbaustein soll vor diesem Hintergrund die obere Versandhalle und der Außenraum in Verbindung mit dem bereits existierenden Biergarten umgesetzt werden, um anschließend die untere Versandhalle, die Kranhalle und die Gießerei zu entwickeln.
Nutzungsstruktur
Der Standort soll zukünftig von drei inhaltlichen und betrieblichen Kernbausteinen geprägt sein, die die bestehenden Standortpotenziale (Naturraum, Industriearchitektur, Freizeit) aufgreifen:
- Natur und Tourismus
Damit soll das Kabel Metall Gelände in Verbindung mit dem Bahnhof Schladern zum zentralen Zugangsportal der Gemeinde und zum östlichen Ein- bzw. Ausgangspunkt des regionalen Betrachtungsraumes werden. Die Gemeinde bzw. der Verkehrsverein will in diesem Zusammenhang ein Tourismusbüro auf dem Standort gründen.
- Bürger- und Kulturzentrum
Mit der Entwicklung eines Bürger- und Kulturzentrums soll dem heute existierenden Defizit an Veranstaltungsstätten unterschiedlicher Größenordnung in Windeck begegnet werden. Dem lokalen und regionalen Vereinen sowie weiteren Veranstaltungsformaten steht damit ein zentraler und interessanter Standort zur Verfügung.
- (Freizeit-)Gewerbe/Gastronomie
Angesiedelt werden sollen einzelne fremdenverkehrsrelevante Gewerbe, die zum Standortkonzept passen und deren Vermarktung durch die Tourismuseinrichtung der Gemeinde erfolgt (z.B. Kanu, Kletterwand). Aufbauend auf dem bereits laufenden Biergarten soll die gastronomische Versorgung ausgeweitet werden, v.a. im Zusammenhang mit dem Bürger- und Kulturzentrum.
Betriebskonzept
Auf Grundlage dieser Nutzungs-Kernbausteine wurden mit Unterstützung eines externen Beraters ein belastbares Betriebskonzept und ein Wirtschaftsplan entwickelt, um das Gesamtkonzept auf einer soliden ökonomischen Basis zu entwickeln.
Betreibergesellschaft
Parallel hierzu wird der Aufbau einer Betreibergesellschaft vorbereitet, die von der Eigentümergemeinschaft, der Gemeinde und Dritten getragen wird und sich zukünftig für den Betrieb verantwortlich zeichnet.
Planen und Bauen
Auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie und in enger Verknüpfung mit dem Betriebskonzept werden momentan die Planungen für die bauliche Instandsetzung bzw. den Umbau der oberen Versandhalle von einem Architekten konkretisiert.
Die Gestaltung des umgebenden Freiraums und die Anbindung an den Bahnhof Schladern war u.a. eine Aufgabenstellung im Rahmen des städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbs, der Anfang 2009 entschieden wurde.
